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Schiedsrichter sein ist Lebensschule PDF Drucken
Autor REGIOfussball.ch   

470 Schiedsrichter sind Woche für Woche auf den Zentralschweizer Fussballplätzen im Einsatz. REGIOfussball.ch begleitete einen Schiedsrichter am Spieltag und spricht mit ihm über heikle Situationen und mögliche Karriere als Schiedsrichter.

 

Wir zeigen nochmals die besten Reportagen von REGIOfussball.ch aus dem Jahre 2009 - heute mit unserer Schiedsrichterreportage vom 1. Oktober 2009.

 

Es ist Sonntag, 27. September 2009 kurz nach 13.00 Uhr im Stadion Schlottermilch in Sursee. Bei spätsommerlichen warmen Temperaturen trifft sich Schidsrichter Nicholas Sidler pünktlich mit unserem Reporter auf der Tribüne. Heute sollen für einmal nicht die Fussballer im Zentrum unserer Berichterstattung stehen, sondern diejenigen, die ein faires Fussballspiel überhaupt erst ermöglichen - die Schiedsrichter. In unserem Fall der erst 17jährige Schidsrichter Nicholas Sidler, der es mit seinen guten Leistungen bereits in die Talentgruppe geschafft hat und auch bei vielen Mannschaften positive Erinnerungen hinterlassen hat.

 

Zur Person

  • Name: Nicholas Sidler
  • Wohnort: Ruswil
  • Schiri seit: Sommer 2007 (Ausbildungskurs Lenzerheide), bis dahin Fussballer bei den Ruswiler B-Junioren
  • Verband: Innerschweizer Fussballverband (IFV)
  • Qualifikation: Assistent 2. Liga interregional, Schiedsrichter 5. Liga, Mitglied Talentgruppe
  • Einkommen: Coca-Cola Junior League, U-Teams und 5. Liga 80 Franken pro Spiel, Assistent 2. Liga inter zwischen 180 und 200 Franken je nach Wegstrecke
  • Hobbys: Schiedsrichter, Kollegen, Sport, Jogging
  • Beruf: Lehre als Detailhandelsfachmann bei Ochsner Sport, Luzern
  • Vorbild: Bruno Grossen (Schiedsrichter Super League)

Eine Stunde vor Spielbeginn bereitet sich Nicholas in der kleinen Schiedsrichtergarderobe 2 in den Katakomben des Schlottermilchs auf das bevorstehende Spiel vor. Heute stehen sich die C-Junioren  des FC Sursee und das Team OG/Kickers im Meisterschaftsspiel der Coca Cola Junior-League gegenüber. Nicholas füllt die Spesenformulare aus - jeder Trainer hat ihm 40 Franken zu bezahlen - also 80 Franken einnahmen. Kein schlechtes Taschengeld für einen 17-Jährigen. Nicholas beteuert aber, das Geld sei zwar ein Anreiz sollte aber kein Grund sein Schiedsrichter zu werden. Während den  Vorbereitungen gesellt sich Schiedsrichter Michele Competiello zu uns. Er pfeift heute ebenfalls ein Spiel der höchsten Juniorenspielklasse und darf sich nun einen Pausentee gönnen. Zwischen den  zwei Schiedsrichtern entwickelt sich sofort ein Gespräch unter Fachleuten. Erfahrungen werden ausgetauscht und vergangene Spiele diskutiert. Der grosse Altersunterschied scheint hier kein Hindernis zu sein.

Nun geht es ans Umziehen. Hier fällt die grosse Gepäcktasche auf, die grösser ist als bei den meisten Fussballern. Zum Vorschein kommen neben zahlreichen Reglementen auch Schreibmaterial, die  berüchtigten roten und gelben Karten in Mehrfachausführung, Trainingsanzug, Einlaufleibchen, Hosen, Stulpen, Schuhe, Duschmaterial, Getränkeflaschen und auch Leibchen in verschiedenen Farben. Der Schiedsrichter muss sich farblich klar von den Spielertenüs unterscheiden und daher nehme er immer mehrere Leibchen mit unterschiedlichen Farben mit, erklärt Nicholas. Im Gegensatz zu den Spielern haben die Fussballshorts natürlich Taschen, insbesondere die berüchtigte Gesässtasche mit der roten Karte. Ein Griff in diese Tasche bedeutet immer einen Spielausschluss für einen Spieler. Nach dem Umziehen erscheint pünktlich der erste Trainer in der Schiedsrichtergarderobe. Die Begrüssung erfolgt freundlich und man stellt sich mit Vornamen vor. Sursees Trainer Giuseppe Lamberta zeigt das Spielertenü seiner Mannschaft, gibt die Pässe und die offizielle Spielerkarte ab und bezahlt die 40 Franken Schiedsrichterspesen. Der Termin der Passkontrolle wird festgemacht und Sidler fixiert die Garderobennummer sofort auf seiner Hand. Das gleiche Prozedere läuft auch bei OG/Kickers Trainer Marco Häfliger ab. Nach den Trainerbesuchen macht sich Sidler pflichtbewusst an die Kontrolle der Spielerkarten und vergleicht diese mit den abgegebenen Spielerpässen. Ein besonderes Augenmerk legt er auf die Richtigkeit der Passnummern und der Geburtsdaten.

 

Schiedsrichter Passkontrolle

Nicholas Sidler während der Passkontrolle beim FC Sursee (Foto: REGIOfussball.ch).

 

35 Minuten vor Spielbeginn begibt sich Sidler Richtung Mannschaftsgarderoben. Die Spannung steigt auch beim Schiedsrichter – die Nervosität wird sichtbar und hörbar. Zuerst geht es zum Gastteam aus Luzern. Ein kurzes Anklopfen an der Garderobe und schon steht unser Schiedsrichter vor 20 Spielern und Trainer. Mit klarer Stimme begrüsst er das Team und holt sich mit klaren und deutlichen Erwartungen den Respekt der 13- bis 14-jährigen Spielern. Der sichtlich stolze Spielführer, oder auch Captain genannt, Arif Hodzic hat nun die Aufgabe die Spielerliste einzeln vorzulesen dabei kontrolliert Sidler die Passfotos und die korrekte Ausrüstung der Spieler.  Nun muss der Captain noch seine Unterschrift auf die offizielle Spielerkarte setzen. Diese Spielerkarte geht nach dem Spiel auf dem Postweg zum Fussballverband und wird dort elektronisch eingelesen und damit nochmals auf Richtigkeit kontrolliert. Nun geht es zum Team von Giuseppe Lamberta und mit Spielführer Matthias Bregenzer geht auch hier das Prozedere souverän über die Bühne.  Für Sidler ist die Passkontrolle der wichtigste Teil des Spiels. Ein guter erster Eindruck sei die wichtigste Visitenkarte des Schiedsrichters an die Spieler, zudem könne man die Stimmungslage innerhalb eines Teams erahnen.

Nun ist die erste Anspannung auch beim Schiedsrichter wieder gewichen. Die persönliche Vorbereitung steht ab jetzt im Zentrum. Also geht es ab auf den Fussballplatz – das Aufwärmen steht nun auf dem Programm. Ein guter Schiedsrichter legt auf dem Fussballplatz weite Laufwege zurück, darum ist eine gute Kondition unverzichtbar. Schiedsrichter, die einen Laufweg eines Bierdeckel-Radius haben, trüben leider diese Einschätzung. Weiter kontrolliert Sidler die Tornetze auf eventuelle Löcher. Es scheint aber alles für den Spielstart in Ordnung zu sein.

 

Copyright Fotos: REGIOfussball.ch

 

 

Kurz vor 15 Uhr ein Pfiff und die Teams treffen sich an der Mittellinie. Zuschauer äussern sich erfreut über den heutigen Schiedsrichter: „Jetzt haben wir endlich wieder Mal einen guten Schiedsrichter“ und auch Spieler: „Super, das war doch der gute Schiedsrichter kurz vor Saisonende“. Schiedsrichter Sidler hört die Lobesworte nicht. Ausgerüstet mit Matchball läuft er zusammen mit den beiden Teams aufs Spielfeld. Nun folgt das Shakehands zwischen den Teams, bevor Sidler das Spiel pünktlich um 15 Uhr freigibt. Zwei Mal 40 Minuten stehen nun auf dem Programm.  Die Gäste aus Luzern sind am Drücker, Sidler immer mittendrin. Aufmerksam verfolgt er die Zweikämpfe und die nicht immer einfach zu pfeifende Abseitsfalle. Mit deutlichen Handzeichen und klaren Pfiffen hat Sidler die Partie jederzeit im Griff. Mit einem 1:1 in einer sehr fair geführten Partie geht es in die Pause. Jetzt heisst es in der kühlen Garderobe durchatmen und sich nochmals konzentrieren. Selbstkritisch gibt er einen möglichen Fehler bei einem Abseitspfiff für Sursee zu – doch dies sollte der einzige grössere Fehler bleiben.

 

Schiedsrichter Spiel

Konzentriert beobachtet Sidler den Zweikampf zwischen Sursee und OG/Kickers (Foto: REGIOfussball.ch).

 

Spielerwechsel müssen notiert werden, ein kurzer Blick über das Spielfeld, alle bereit? Also Anpfiff zur Runde zwei. Als in der 65. Minuten die Gastgeber in Führung gehen wird die Stimmung emotionaler und die Zweikämpfe härter. Sidler muss innerhalb weniger Sekunden entscheiden: Vorteil oder nicht? Abseitsposition ja oder nein? Spieler ernsthaft verletzt oder nur Zeitschinden? Es wird interessanter.  Und schon passiert es, unübersichtliche Situation mit mehreren Spielern, zwei liegen benommen am Boden. Sidler unterbricht das Spiel, schätzt die Lage ein, lässt die Spieler pflegen und klärt den Gesundheitszustand mit den Spielern ab. Gut gemacht. Kurz vor Spielende nochmals eine brenzlige Situation. Inzwischen liegen die Nerven bei den im Rückstand liegenden Gästen blank. Alles wird nach vorne geworfen.  Ein harter Zweikampf im Mittelfeld und schon liegt ein Sursee Spieler am Boden. Sidler zögert keine Sekunde und zieht die gelbe Karte für den Captain der Gäste. Eine zehn Minuten Strafe kurz vor Schluss - der Spieler versteht die Welt nicht mehr.  Der strenge und deutliche Blick des Unparteiischen lässt aber jeden Zweifel verstreuen und auch den Täter verstummen. Das Spiel ist vorbei, Spieler und Trainer beruhigen sich wieder und schütteln sich gegenseitig die Hände. Nun darf auch der Schiedsrichter einige positive Rückmeldungen für seine ausgesprochen gute Arbeit entgegennehmen. Auf die verdiente kalte Dusche sich der selbstkritische aber auch stolze Schiedsrichter nach dem Spiel redlich verdient.

 

Schiedsrichter Interview

Nicholas Sidler zum Hobby Schiedsrichter: "Schiedsrichter sein ist Lebensschule" (Foto: REGIOfussball.ch).

 

Der 17jährige Schiedsrichter Nicholas Sidler nimmt in unserem Interview Stellung zu seinem Spiel, zu den Gründen wieso er Schiedsrichter wurde, zu heiklen Situationen als Schiedsrichter, zu Voraussetzungen um Schiedsricher zu werden und zur aktuellen Busacca Zeigefinger Affäre.

 

Copyright Audio: REGIOfussball.ch

 

Die Fussballregeln

PDFDownload Spielregeln Version 2009

Autor: Schweizer Fussballverband (SFV)

PDFDownload Regionale Weisungen

Autor: Innechweizer Fussballverband (IFV)

 

Fühlen Sie sich angesprochen? Dann werden auch Sie Schiedsrichter und unterstützen den Fussball als wichtigster Akteur auf dem Fussballpatz. Melden Sie sich bei einem Fussballclub und melden Sie Ihr Interesse an - um alles Weitere wird sich Ihr Fussballclub kümmern. Die Fussballvereine sind Ihnen dankbar. Im Herbst 2009 haben von 13 angemeldeten Kandidaten 11 Teilnehmer den Anwärterkurs für Fussballschiedsrichter vollständig besucht. Der Innerschweizer Fussballverband (IFV) darf allen 11 Kandidaten zum bestandenen Abschlusstest vom 17. September 2009 gratulieren. Ab sofort werden nun auch diese Neuschiedsrichter in Begleitung ihrer "Götti" für Verbandsspiele im IFV eingesetzt. Der IFV heisst alle neuen Schiedsrichter willkommen und wünscht Ihnen viel Spass beim neuen Hobby.

Neu: René Brechbühler (FC Südstern), Alessio Cazzola (FC Ibach), Raphael Emmenegger (FC Südstern), Thomas Herzog (FC Eschenbach), Jens Imboden (Engelberger SC), Sabahudin Kucukociv (FC Ingenbohl), Andy Macieira (FC Sursee), Brian Mangott (FC Perlen-Buchrain), Zoran Milicic (SC Cham), Anto Mutapcic (FC Sachseln), Nicola Näf (Luzerner SC), Muralitharan Thanabal (FC Baar) und Andrea Winiger (FC Adligenswil.

 

Copyright Fotos: REGIOfussball.ch

 

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 13.01.2010, 11:04 )
 
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