Der Dietwiler Torhüter Jory Sjardijn und Yann Sommer haben etwas gemeinsam. Und beide Keeper widerlegen eine gängige Meinung.

Der 185 Zentimeter grosse Schweizer Nationaltorhüter Yann Sommer wird von einigen Fussballexperten als zu klein befunden, um zu den Grössten seines Fachs zu zählen. Über diese Einschätzung kann der zehn Zentimeter kleinere Jory Sjardijn nur lachen. Der Torhüter des Drittligisten FC Dietwil sagt: «Yann Sommer ist ein Klassetorhüter. Mit seiner enormen Sprungkraft und der Beherrschung des Strafraums widerlegt er die gängige Meinung, dass ein Torhüter gegen zwei Meter messen müsse. Er ist mein Vorbild.» Dann schiebt der 19-jährige Dietwiler Keeper nach: «Natürlich hoffe ich, noch ein paar Zentimeter zu wachsen.» Es würde wohl zu seinem Vorteil gereichen.

Der seit den F-Junioren ununterbrochen dem FC Dietwil die Treue haltende junge Mann hat als Torhüter schon zwei schöne Erfolge vorzuweisen. Als D-Junior hexte er seine Teamkollegen in den Cup-Final, den Dietwil gegen den hoch favorisierten SC Kriens erst im Penaltyschiessen verlor. Und mit den C-Junioren wurde er Meister der Coca-Cola-League. Jory Sjardijn, der seit seinem 17. Lebensjahr dem Kader der 1. Mannschaft des FC Dietwil angehört, ist seit dem Beginn der laufenden Saison die unbestrittene Nummer 1 der Freiämter. Es freue ihn ganz besonders, dass mit ihm auch einige Kollegen Aufnahme im Fanionteam gefunden hätten, mit denen er in den verschiedenen Juniorenkategorien gespielt habe.

Hofft auf weitere Derbys gegen Sins
Lobende Worte findet Jory Sjardijn für den Cheftrainer Nevzet Zukic. «Er hat in Dietwil eine wahre Euphorie entfacht. Obschon er an uns Spieler und an sich selbst hohe Ansprüche stellt, macht es Freude und Spass, unter ihm zu trainieren.» Wenn seine Mannschaft verliere, sei er enttäuscht, aber er akzeptiere die Niederlage und sei keineswegs frustriert. Vielmehr streiche er die guten Ansätze heraus, die er in der Analyse des Spiels erkannt habe. «Statt uns zur Schnecke zu machen, stellt er uns wieder auf. Mit seiner menschlich feinfühligen Art passt dieser Trainer sehr gut zu uns», betont Jory Sjardijn. Nach dem Saisonziel des FC Dietwil befragt, sagt er: «Wir wollen unter allen Umständen den Ligaerhalt schaffen. So wie es im Moment aussieht, denke ich, dass am Ende der Saison eine Rangierung im Mittelfeld der Tabelle herausschauen wird.» Zu den Spitzenteams zähle er den Kantonsrivalen Sins. «Ich hoffe allerdings», sagt er verschmitzt lächelnd, «dass die Elf von Spielertrainer Miga Dedic nicht in die 2. Liga regional aufsteigt.» Er möchte es den Sinsern zwar gönnen, aber es wäre ihm lieber, auch in der kommenden Saison in der Meisterschaft wieder gegen sie antreten zu können. Das Freiämter Derby locke immer viele Zuschauer an. Und wenn es dem FC Dietwil gelinge, den grossen Nachbarn zu schlagen, sei das jeweils ein ganz besonderes Highlight.

Jory Sjardijn, der die Kantonsschule in Wohlen besucht, verfasst derzeit seine Maturaarbeit. Er untersucht und beschreibt, wie sich das Spiel von E-Junioren verändert, wenn sie die taktischen Elemente des Flügelspiels und der Spielverlagerung erlernt haben. «Diese Arbeit ist für mich von doppeltem Nutzen. Da ich die E-Junioren des FC Dietwil trainiere, stosse ich bei der Formulierung des Textes auf neue Erkenntnisse, die mich auch als Trainer weiterbringen.» Jory Sjardijn, der in Oberrüti (Kanton Aargau) geborene und aufgewachsene Sohn eines Holländers und einer Schweizerin, ist ein ruhiger, sich stets korrekt verhaltender Zeitgenosse. Glaubhaft versichert er: «Wenn ich sehe, wie jemand geplagt wird, tut es mir weh. Ich bin halt etwas zart besaitet. Das habe ich wohl von meinen Eltern geerbt, die auch keiner Fliege etwas antun können.»

Er will eine Wette gewinnen
Vor ein paar Wochen, erzählt Jory Sjardijn, hätten er und sein Dietwiler Teamkollege Lukas Fischer gleichzeitig begonnen, Fahrunterricht zu nehmen. Es laufe eine Wette, die er unbedingt gewinnen wolle. «Wer von uns beiden die Fahrprüfung zuerst besteht, erhält vom anderen eine Kiste Bier.» Nach nunmehr 14 Fahrstunden beherrsche er das Rückwärtsparkieren schon ganz gut. Etwas mehr Mühe bereite ihm noch, angesichts der vielen Verkehrsschildern auf unseren Strassen, die Übersicht zu bewahren. Vielleicht hat Lukas Fischer einen kleinen Vorteil, denn Jory Sjardijn konnte in dieser Woche keine Fahrstunden absolvieren. Er ist am Montag mit seiner Kantonsschulklasse zwecks Weiterbildung in die britische Metropole London geflogen.

Am Sonntag gegen Menzingen
Der FC Dietwil, der normalerweise am Samstag spielt, hat das Meisterschaftsheimspiel gegen den SC Menzingen auf Sonntag, 14 Uhr, angesetzt. Der Grund ist klar: Ihr Stammkeeper kehrt erst am Samstag aus London zurück – auf seinen Einsatz wollen die Freiämter halt nicht verzichten.