Sportlich gesehen befinden sich die Aktivmannschaften des FC Küssnacht momentan nicht auf der Sonnenseite des Fussballerlebens. Für eine grosse Überraschung sorgte nun die 3. Mannschaft mit dem sensationellen Turniersieg am internationalen Pfingsturnier in Prutz. Bisher galt der 2:1 Cupsieg gegen den FC St. Gallen aus dem Jahr 2005 als Highlight in der Clubgeschichte. Dieses Kapitel der Vereinshistorie muss nun wohl um ein weiteres Kapitel ergänzt werden. So ganz nach dem Motto: Malle ist zwar nur einmal im Jahr, aber Prutz gewinnst du nur einmal im Leben!
Bereits zum 16. Mal durfte das Drü vom FC Küssnacht am traditionellen Turnier im schönen Tirol teilnehmen. Nach 15, aus sportlicher Sicht gesehen mehr oder weniger erfolglosen Jahren, wollten es die Herren von der Rigi in diesem Jahr so richtig krachen lassen und griffen tief in die Trickkiste. Zum ersten Mal traten die Küssnachter mit einem richtigen Trainer an. Mit Damencoach Iwan Schnüriger konnte der im gesamten IFV-Gebiet wohl zurzeit erfolgreichste Meister seines Fachs verpflichtet werden. Auch sonst gelang es Teammanager Angelo Marty ein wahres „who ist who des Küssnachter Fussballs“ zusammenzustellen. Mit grossen Namen wie „sur le mur“, Danilson, Diego, Greterson, Lassie Drvoderic, Mikeovac, Wettkönig Roland der Erste, Hajo, de chli Angi, Büsi, Holdener und Moritz Immerlacht konnten Spieler verpflichtet werden, welche sonst ihre Knochen nicht für die Aktivmannschaften des FCK herhalten. Mit dieser kunterbunten Legendentruppe war man bestens für das Turnier gerüstet.
Nach einer amüsanten, musikalisch auf dem „Schwyzerörgeli“ bestens begleiteten (Danke Hajo) und dank Karis Navigationskünsten etwas längeren Anfahrt, traf man zu fortgeschrittener Zeit im Haus Tirol ein. Nach einem ausgiebigen Besuch im Festzelt (man wollte von Anfang an Präsenz zeigen), liessen die Prutzer die Gäste aus der Urschweiz traditionell etwas länger schlafen. So griffen die Küssnachter erst am Samstagmittag, ausgeschlafen und topmotiviert, ins Turniergeschehen ein. Die vier Gruppenspiele konnten äusserst erfolgreich gestaltet werden und als Gruppensieger durfte man den Einzug in die Zwischenrunde feiern. Dieser Erfolg wurde dann auch die gesamte Nacht gefeiert und man zeigte sich mit dem Erreichten mehr als zufrieden.
Am Sonntag verblüfften die Rigi-Kicker die Gegner dann aber doch ziemlich heftig. Über Nacht war den Schwyzern ein unglaublicher Transfercoup gelungen. Die Leute rieben sich verdutzt die Augen, stand da doch plötzlich der legendäre Petar mit FCL Stirnband auf dem Platz! Trotzdem wurde das erste Spiel am Sonntagmorgen für die Herren der Rigi zur Tortur. Die Sonne war eben erst erwacht und es waren nicht die Küssnachter, sondern nur das Tirolerland, welches sich frisch und munter präsentierte. Eigentlich rechnete man an diesem frühen Morgen nicht mit einem weiteren Erfolg, allerdings schien der Gegner vom FC Sempach physisch gesehen noch weniger präsent. Wer mit einem Spiel mit grossartigem Fussball rechnete, wäre wohl besser im Bett geblieben. Die 22 Minuten langweilten die mitgereisten Fans und trotzdem schien der FC Küssnacht einfach anwesender zu sein als der Gegner. So konnte Fussballgott Roland sur le mur quasi mit dem Schlusspfiff den vielumjubelten Siegestreffer zum 1:0 erzielen – was für ein Start in den Tag! Sogar die Turnierorganisatoren freuten sich so sehr, dass sie dem Team gleich eine Runde Hopfensaft offerierten. Auch das zweite Spiel konnte gegen den FC Perlen-Buchrain, wenn auch etwas glücklich, mit 1:0 gewonnen werden. Im abschliessenden Spiel der Zwischenrunde durfte man gegen einen deutschen Vertreter sogar um den Finaleinzug mitspielen. Dank einem entfesselnden Schlussmann André „sie nannten ihn Ente“ Neubauer, ergatterte man sich mit einem torlosen Unentschieden den dazu notwendigen Punkt und durfte den Finaleinzug bejubeln.
Im Final kam es zum grossen Aufeinandertreffen gegen den FC Tobel. Schon zu Beginn war klar, dass man den grossen Favoriten nur mit grossem Willen, einem hervorragenden Coaching und etwas Glück bezwingen konnte. So spielte sich das Spielgeschehen in der ersten Halbzeit auch zu 99% in der Küssnachter Hälfte ab, welche aber mit Mann und Maus erfolgreich verteidigt wurde. Die allergrösste Chance hatte aber Ausnahmekönner sur le mur, welcher kurz vor dem Pausenpfiff mit der einzigen Küssnachter Chance scheiterte. Nach der Pause konnten die Schwyzer das Spiel ausgeglichener gestalten und kamen bedeutend besser in die Partie. Leider verpasste Danilson mit einer mehr oder weniger gelungen Kopfballaktion den möglichen Siegestreffer. Die Sensation lag nun in der Luft und wenig später gelang Noldinho mit einer wunderschönen Einzelaktion der Lucky Punch, wobei er die gesamte gegnerische Mannschaft zu Tiroler Slalomstangen degradierte. Auf diesen Schock wussten die Gegner aus Tobel keine Antwort und Küssnacht hätte nach Kontern das Score sogar noch erhöhen müssen. In der Schlussminute kam dann nochmals Spannung auf, als plötzlich eine Ente nach einem Eckball mit einer ungewohnten Flugeinlage durch den Strafraum segelte und das gesamte Tirol in seinen Grundmauern erzittern liess. Zum Glück konnte der Küssnachter Schlussmann den Ball unter seinem Astralkörper begraben und seinen persönlichen vierten Shutout an diesem Tag feiern.
Was nach dem nun erklingenden Schlusspfiff passierte, ist nur schwierig in Worte zu fassen. Die Küssnachter feierten sich und den soeben gewonnen Europapokal in vollen Zügen. Wie das Turnier an diesem Tag begonnen hatte, so endete es auch. Auf eigene Initiative hin wurde die Mannschaft vom Turnierorganisator erneut auf ein Bierchen eingeladen. Am Abend, im proppenvollen Festzelt, stürmten die Fussballhelden bei der Pokalübergabe gar noch die Prutzer Festbühne und gaben ihre Gesangskünste zum Besten. Ein schöneres „Ti Amo“ hat die Welt wohl noch nie gehört! Höhepunkt war dann aber wohl ein von seinen Gefühlen übermannter Diego, welcher bei seiner 15. Teilnahme endlich den lang ersehnten Holzpokal legal in den Händen halten durfte. Bis tief in die Nacht feierte die Mannschaft Ihre Nummer 1 von Prutz und wurde in den frühen Morgenstunden, einem Sieger würdig, standesgemäss unter Personenschutz von der Securitas als Letzte aus dem Festzelt begleitet.
Ebenfalls schafften es die Küssnachter nach 16 Jahren endlich mal einen Pokal mehr oder weniger ohne Schaden an den Fuss der Rigi zurück zu bringen, wo er nun für ein Jahr bis zur Mission Titelverteidigung zu bestaunen sein wird. Und wie pflegte schon Paulchen Panther stets zu sagen. „Heute ist nicht alle Tage. Wir kommen wieder – keine Frage!“

























