Keiner kann Hergiswil stoppen

Matchwinner für Hergiswil: Florian Eberhard (im roten Dress) (Bild: Philipp Schmidli, Luzerner Zeitung).

Matchwinner für Hergiswil: Florian Eberhard (im roten Dress) (Bild: Philipp Schmidli, Luzerner Zeitung).

Hergiswil gewinnt den Spitzenkampf gegen Goldau 2:0 (1:0): Der Höhenflug der Nidwaldner hält an – dicke Luft dafür bei den Schwyzern.

Knapp nach dem Schlusspfiff, als Trainer Marc Odermatt seine Mannen zum Sieg-Shakehand bat, lehnte sich Florian Eberhard gönnerisch weit aus dem Fenster: «Heute gibt’s zur Feier des Tages einen kulinarischen Sieben­gänger.» Eberhard, das muss man wissen, war der Matchwinner: Das Tor zum richtungsweisenden 1:0 schoss er höchstpersönlich, das siegsichernde 2:0 bereitete er mustergültig vor.

Das Spiel selber, dieser Spitzenkampf vor 600 Fans, die sich hie und da in der Hitze des Gefechtes auch auf den Rängen rangelten, war kein Siebengänger. Auch nicht Schmalkost. Aber biedere, fussballerische Alltagsmahlzeit. Dieses regionale Fussball-Highlight des Wochenendes bediente sich zu sehr der Rustikalität, um wirklich ästhetisch hohen Ansprüchen zu genügen. Dies indes änderte – richtigerweise – nichts, aber auch gar nichts daran, dass Marc Odermatt, Hergiswils Feldherr, ohne Umschweife sagte: «Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Sie hat exakt das umgesetzt, was ich gefordert habe.» Dominieren, dem Spiel den Stempel aufdrücken, siegen: und eine kleine Vorentscheidung im Duell um Rang eins, um den Aufstieg zu schaffen. «Interessiert mich keinen Deut», konterte Odermatt, «es gibt noch so viel zu tun, bis wir es geschafft haben.»

Goldauer mut- und auch ideenlos
Goldau indes symbolisierte am Ende eines zähen Abnützungskampfs ein geschlagenes Häufchen, das zu spüren schien: Vielleicht ist uns heute der Titel ­entglitten. Höhepunkt des Tageshandwerks war ein Mundwerk, präziser formuliert eine Schimpftirade von Zeno Huser, der seine Auswechslung nach 80 Minuten partout nicht wahr haben wollte, ziemlich deutlich seine Meinung posaunte. Dieser Entscheid von Goldaus Spielertrainer Claudio Marini allerdings war durch Husers spürbar werdende Kraftlosigkeit durchaus erklärbar. Wenig Sinn machte, dass sich Marini selber viel zu spät einwechselte: Sein Team versprühte vor seiner Einwechslung ungefähr so viel Kreativität wie ein Statistikbeamter. «Das Spiel hätte auch auf die andere Seite kippen können, wir hatten zu Beginn zwei gute Chancen», forderte Marini Mitleid – stimmt nicht: Hergiswil war besser, homogener, mit mehr Siegwillen beseelt.

Hergiswil: Die werden langsam unheimlich. Die Siegserie nimmt nun schon bald eine zweistellige Dimension an und: Erstmals führt das Team von Marc Odermatt die Rangliste auch verlustpunktmässig an. Die Nidwaldner hatten beim Führungstreffer viel Glück, als ein Freistoss-Schüss­chen aus 35 Metern den Weg ins Tor fand, und bestätigten in der Folge, dass sie das Team der Stunde sind. «Sind wir?», fragte Odermatt verschmitzt. «Wir hatten doch auch Glück.»

Kann sich Goldau noch entwirren?
Lange kann sich der FC Hergiswil nicht mehr hinter solchem Understatement verstecken. Es sei denn, Goldau entwirrt sich und tritt wieder so überzeugend auf, wie es im letzten Herbst die regionalen Fussballherzen eroberte. Gestern deutete wenig darauf hin.

Spielbericht SC Goldau: Goldau verliert Spitzenkampf 

Der SC Goldau verliert den Spitzenkampf beim FC Hergiswil mit 2:0. Vor einer mit 600 Zuschauern würdigen Kulisse, entschieden schliesslich zwei Standards die Partie zu Gunsten der Nidwaldner.

Am 30. September 2017 verlor der FC Hergiswil sein letztes Meisterschaftsspiel. Dabei unterlag die Mannschaft von Trainer Marc Odermatt dem SC Goldau. Hergiswil gelingt somit die Revanche gegen den SCG. Weiter bleiben die Nidwaldner auf dem heimischen Terrain ohne Niederlage.

Ärgerlicher Rückstand
Bereits in der vierten Spielminute besassen die Goldauer die Möglichkeit zur frühen Führung. Zuerst vergab Jozef Simoni aus aussichtsreicher Position, ehe Michael Keller den Nachschuss knapp am rechten Torpfosten vorbei setzte. Die Hergiswiler zeigten sich in der 27. Minute durch Eberhard erstmals gefährlich vor dem Tor. Der erste Treffer gelang in einer ausgeglichenen ersten Spielhälfte dem Heimteam. Nach einem Foulspiel der Goldauer konnte Florian Eberhard den fälligen Freistoss verwandeln (36.). Nur gerade vier Minuten später verhinderte Steinegger den zweiten Gegentreffer (40.).

Sager sorgt für die Entscheidung
Nach der Halbzeitpause verpasste Zeno Huser nach einem Eckball den wichtigen Ausgleichstreffer. Sein Schuss verfehlte allerdings das Tor (52.). In der 84. Spielminute ereignete sich die Entscheidung in diesem Spitzenspiel. Silvan Sager konnte mit einem starken Sololauf über das halbe Spielfeld beinahe nicht gestoppt werden. Schliesslich war es Capitän Raphael Suter, welcher den Ball ins Toraus retten konnte. Doch der Torerflog verzögerte sich nur um Sekunden. Der anschliessende Eckball versorgte Silvan Sager mit einem wuchtigen Kopfball zum 2:0 im Goldauer Tor. Der FC Hergiswil gewinnt das Spiel gegen die Tierpärkler verdient, zeigten sich doch die Nidwaldner deutlich energischer in den Zweikämpfen sowie vor dem gegnerischen Tor entscheidend effizienter.

Hergiswil festigt Tabellenführung
Mit dem Sieg im Direktduell, baut die Mannschaft von Trainer Marc Odermatt die Tabellenführung auf vier Punkte auf den SC Goldau aus. Noch verbleiben in dieser Saison fünf Spiele für den SC Goldau bzw. vier Partien für den FC Hergiswil. Für die Goldauer steht mit dem Schwyzer Derby vom kommenden Samstag gegen den FC Ibach ein weiteres Saisonhighlight auf dem Programm.

Telegramm FC Hergiswil – SC Goldau 2:0 (1:0)
Grossmatt. – 600 Zuschauer. – SR Riva. – Tore: 36. Eberhard 1:0. 82. Sager 2:0. – Hergiswil: Strohhammer; Andrin Arnold, Achermann, Erni, Weber; Devin Arnold (46. Wieland, 56. Kiser), Schüler, Kauer, Souto; Sager, Eberhard. – Goldau: Steinegger; Büeler, Suter, Spichtig, Sommaruga; Schmid, Christen, Simoni (46. Zeka), Keller; Camenzind (56. Marini), Zeno Huser (80. Lokaj). Verwarnungen: 25. Sager (Foulspiel), 65. Weber (Handspiel), 67. Kauer (Foulspiel), 67. Marini (reklamieren). – Bemerkungen: Goldau ohne K. Huser, L. Simoni (beide verletzt).