Rotkreuz mit rabenschwarzer Schlussphase

Rotkreuz lanciert einen Angriff gegen Brunnen über die Aussenbahn (Bild: Ruth Carbone).

Rotkreuz lanciert einen Angriff gegen Brunnen über die Aussenbahn (Bild: Ruth Carbone).

Brunnen mit dem längeren Atem oder ein Spiel ist erst fertig wenn der Schiedsrichter abpfeifft…

Rotkreuz führte bis zur 79. Minute! mit 3:0 und sah wie der- vermeintlich – sichere Sieger aus, kassierte aber nach einer katastrophalen Schlussviertelstunde noch die erste Saisonniederlage.

Nach einer kontrollierten Anfangsphase waren es die Gäste aus Brunnen, welche aus einem verstärkten Mittelfeld agierend, die ersten beiden guten Gelegenheiten hatten. Rotkreuz kam nach und nach besser ins Spiel und hätte nach einem an Davide Palatucci verschuldeten Fouelfmeter eigentlich in Führung gehen sollen. Hätte – den FCR Goalgetter Dragan Gyorgiev täuschte zwar den gegnerischen Torhüter, schob den Ball aber anschliessend am anderen Pfosten vorbei (34. Minute). Vier Minuten später gelang ihm dann doch noch der Führungstreffer zum 1:0. Gegen den abgelenkten Schuss war auch der sehr stark haltende Brunner Hüter Noel Schmid machtlos. Mit der knappen Führung für den FCR ging es dann auch in die Pause.

Rotkreuz scheint sicheren Sieg einzufahren
Brunnen hatte kurz nach Wiederbeginn eine gute Gelegenheit zum Ausgleich nach einem scharf getretenen Freistoss von Sascha Dervenic. Der Ball prallte aber zum Glück für den FCR ans Lattenkreuz. Danach kontrollierte Rotkreuz das Spiel und erhöhte erst in der 57. Minute wiederum durch Gyorgiev auf 2:0 und als der eingewechselte Lewis Tavares in der 75. Minute nach einem mustergültig gespielten Konterangriff gar das 3:0 erzielte, hätten wohl nicht mehr all zu viele auf eine grosse Wende zugunsten der bravourös kämpfenden Kurörtler gesetzt.

„Stromausfall beim FCR“
Rotkreuz machte nun einen weiteren Wechsel und ersetzte, zum Erstaunen etlicher Anwesender, den angeschlagenen Aussenverteidiger Miroslav Savanovic nicht etwa durch den Defensivallrounder Endrit Emini sondern durch den eigentlichen Offensivspieler Arnel Mehicic. Gleichzeitig wechselte Adthe Gashi nun auf die andere Abwehrseite. Brunnen griff mit dem Mut der Verzweiflung nach dem klaren Rückstand an und siehe da, in der 78. Minute konnte der völlig unmarkierte Jozef Simoni zum 3:1 verkürzen. Eigentlich war damit noch nichts verloren für den FCR aber Rotkreuz mutierte nun innert Null Komma nichts in ein absolutes „Panikorchester“ und brachte es trotz der Vielzahl an individuell sehr starken Spielern nicht mehr fertig, auch nur einen einzigen konstruktiven Angriff auszulösen. Im Gegenteil.

Brunnen drängte den FCR nun in die Defensive und zeigte eine gnadenlose Effizienz: In der 85. Minute war es Kilian Betschart welcher, wiederum nicht eng genug markiert, zum Anschlusstor traf. Nur drei Minuten später kam es für die Gäste noch besser als Dervenic mittels Fallrückzieher im FCR Strafraum gar der zehn Minuten vorher kaum für möglich gehaltenen Ausgleich erzielte. Dem Ganzen setzte schliesslich Kilian Betschart die Krone auf als den Gästen in der Nachspielzeit, der mittlerweile verdiente, Siegtreffer zum 3:4 gelang. Verständlich das die Brunner aus dem Jubeln nicht mehr herauskamen den kurz darauf war Schluss und der FCR stand wegen einer rabenschwarzen Schlussviertelstunde erstmals in dieser Saison mit leeren Händen da.

Fazit
Die Wechsel in der Abwehr in der Schlussviertelstunde brachten viel Unruhe ins Spiel des FCR. Die Niederlage aber nur daran festzumachen, wäre viel zu kurz gegriffen. Es war schlicht kein Leader da der den FCR in der kritischen Phase wieder etwas stabilisiert und Ruhe ins Spiel gebracht hätte. Auch von der Bank kamen keine neuen Impulse mehr. So gelang es nicht mehr, den Schalter umzulegen, und das Unheil nahm seinen Lauf. Das auch Rotkreuz früher oder später einmal seine reine Weste verlieren würde, war abzusehen und ist an sich noch kein Unglück – man bleibt dank der anderen Resultate an der Spitze. Allerdings war die Niederlage sehr schmerzlicher Art. Man hat einen sicher geglaubten Sieg innert kürzester Zeit aus den Händen gegeben und ist am Schluss praktisch in seine Einzelteile zerfallen.

Der FCR hatte aber schon in den letzten Spielen einige Phasen wo man klare Vorsprünge verspielte (oder fast verspielte) weil man nur verwalten wollte anstatt, als von Haus aus offensiv ausgerichtete Mannschaft und wie noch gegen Emmenbrücke fast perfekt demonstriert, aggressiv und konzentriert gegen den Ball zu verteidigen. Die Gegner konnten dies aber jeweils mangels fehlender spielerischer Mittel/Effizienz nicht zu Punktegewinnen ausnützen – ganz im Gegensatz zu den äussert effizienten Schwyzern welche den Zugern nun die Quittung präsentierten. Der FCR hat nun erst mit dem schweren Auswärtsspiel in Novazzano und dem anschliessenden Spitzenkampf zu Hause gegen Willisau zwei wegweisende Spiele vor der Brust. Hier ist Charakter gefragt und es wird sich nun weisen, ob die Niederlage gegen Brunnen nur ein Ausrutscher war oder ob man mit dem sensationellen Saisonstart als Aufsteiger einfach etwas über seinen Verhältnissen gelebt hat.

Telegramm FC Rotkreuz – FC Brunnen 3:4 (1:0)
Sportpark – 250 Zuschauer
Tore: 38. Gyorgiev 1:0. 57. Gyorgiev 2:0. 75. Tavares 3:0. 79. Simoni 3:1. 85. Betschart 3:2. 88. Dervenic 3:3. 90 + 1 Betschart 3:4.
Rotkreuz: Hönger; Gashi, Canzian, Marinkovic, Savanovic (76. Mehicic); Palatucci Davide, Campello, Nabarro, Gyorgiev; Wellington, Ndoy (56. Tavares).
Bemerkungen: 34. Gyorgiev verschiesst Foulpenalty. 50. Lattenschuss Dervenic.90.+2. Ausschluss Schmid (Brunnen).