FC Nottwil: Krampf und Kampf im ersten 4. Liga-Spiel

Nottwil bestand den ersten Charaktertest mit einem leidenschaftlichen und solidarischen Auftritt (Archivbild: Kurt Schöpfer).

Nottwil bestand den ersten Charaktertest mit einem leidenschaftlichen und solidarischen Auftritt (Archivbild: Kurt Schöpfer).

Lange ist es her, seit Nottwil in der 4. Liga spielte. Der ehemalige Drittligist setzte nach einem nervösen Start mit 2:1 gegen die Reserven von Gunzwil durch. Qualitativ war die Begegnung eher mau, aber dafür umso intensiver und spannender.

Auf Wunsch des Gegners verschob man die Partie auf den gestrigen Dienstagabend. Bei hochsommerlichen Witterungsbedingungen, das Thermometer zeigte auch um 19 Uhr immer noch sagenhafte 32 Grad, debütierte der erst 15jährige Torhüter Melvin Frei. Ebenso durfte der 16jährige Levin Frei in einer zentralen Rolle als Innenverteidiger auflaufen. Mit Schmidiger, Renggli sowie Mahler agierten zudem im Zentrum drei Spieler, die erst 18 bzw. 20jährig sind. Pünktlich um 20 Uhr erfolgte der Anpfiff zum ersten Spiel der Meisterschaftssaison 2023/2024, die erstmals auf dieser Stufe wieder ohne Auf- und Abstiegsrunde stattfindet. Nottwil wirkte in den ersten Minuten der Begegnung hypernervös. Fehlerpässe hüben wie drüben. Auch die Zweikampfquote bewegte sich in einem ungenügenden Bereich. Die Gäste aus Gunzwil versuchten Kapital zu schlagen, liefen teilweise mit vier Offensivspieler in der Nähe des Strafraums an. Beinahe wäre der Plan frühzeitig aufgegangen. In der sechsten Minute ermöglichte das Heimteam den Gunzwilern nach einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung eine erste gefährliche Annäherung. Der Schuss aus rund 15 Metern landete jedoch neben dem Tor. Die Anfangsnervosität abgelegt, fand Nottwil besser ins Spiel und befreite sich mehrheitlich souverän mit spielerischen Ideen aus der Umklammerung. Dennoch blieb die Fehlerzahl hoch. Beidseitig kämpften beide Teams verbissen um jeden Meter.

Es kam zu viel Geplänkel im Mittelfeld, zahlreichen Unterbrüchen wegen Fouls und weil Gunzwil vorwiegend mit hohen Bällen agierte, war das Niveau doch recht überschaubar. Trotzdem liess sich bei Nottwil, nach dessen Neuausrichtung im Sommer, einige positive Ansätze erkennen, auch wenn nicht alles nach Wunsch funktionierte. Glück für Nottwil, dass bei einigen aussichtsreichen Standartsituationen die Abschlussgenauigkeit fehlte. Ein missglückter Abwehrversuch per Kopf von Koch, landete beinahe im eigenen Tor. Im allerletzten Moment wehrte Torhüter Frei den Ball mit den Fingerspitzen an die Latte, welcher dann genau auf die Torlinie herunterfiel. Der Führungstreffer für Gunzwil wäre bis dato nicht unverdient gewesen, wobei Peter oder Wey auf Seiten der Nottwiler mit Einzelaktionen ebenfalls das erste Tor hätten erzielen können. In der 29. Minute zeigte der Unparteiische überraschenderweise auf den Elfmeterpunkt. Nach einem unübersichtlichen Gewühl im Strafraum, an dem mehrere Spieler beteiligt waren, stolperte schlussendlich ein Gunzwiler über den Ball. Offenbar sah der Mann in Schwarz ein Stossen in den Rücken des fallenden Stürmers. Die Frage ob es eine sehr clevere Aktion des Stürmers war oder einfach nur schlecht verteidigt von Nottwil, lässt sich nicht abschliessend beantworten. Barmettler versenkte den fälligen Strafstoss. Frei ahnte zwar die Ecke, konnte jedoch nichts ausrichten. Vor dem Pausentee verhinderte FCG Torhüter Bättig gleich mit mehreren Glanzparaden den Ausgleich.

Kaum startete der zweite Durchgang, erhielt Nottwil einen Freistoss zugesprochen. Renggli nahm Anlauf und hämmerte die Kugel mit einer unglaublichen Wucht in die Tormaschen. Ein Strahl von einem Schuss aus rund 28 Metern. Ab diesem Zeitpunkt übernahm Nottwil das Spieldiktat. Trotzdem war es mehr ein Kampf und Krampf. Gunzwil blieb allerdings mit Kontern gefährlich. Vor allem die präzisen Bälle von Rogger aus der Gunzwiler Abwehr heraus in die Tiefe waren eine Augenweide. Crispin Leuenberger drückte nach einem Eckball in der 68. Minute das Leder hinter die Linie. Spiel gedreht! Im Anschluss hätte Nottwil längst mit zahlreichen Chancen für eine Vorentscheidung sorgen können, aber weder Renggli vom Penaltypunkt noch Michel, Hodel, Bisang oder Mare waren erfolgreich. So blieb es bis zur letzten Sekunde spannend. Gunzwil gab nie auf, hatte jedoch keine zündende Idee mehr, um die Nottwiler Abwehr zu überwinden. Der Abpfiff brachte die Erlösung.

Endlich durfte man wieder, nach über einem Jahr, einen Heimsieg feiern. Noch wichtiger ist hingegen die Tatsache, dass die junge Mannschaft von Trainer Bosshard einen ersten Charaktertest mit einem leidenschaftlichen und solidarischen Auftritt bestand. Trotzdem bleib weiterhin viel zu tun. Nächstes Spiel findet am Samstag um 20.15 Uhr in Knutwil statt.

Telegramm FC Nottwil – FC Gunzwil II 2:1 (0:1)
Sportplatz Bühlwäldli – 100 Zuschauende
Tore: 29. Markus Barmettler (Penalty) 0:1, 48. David Renggli 1:1, 68. Crispin Leuenberger 2:1
Gelbe Karten: Bislimi, Peter, Bosshard, Renggli, Koch (alle Nottwil) sowie Fankhauser und Schumacher (Gunzwil)
FC Nottwil: M. Frei; Lichtsteiner, L. Frei, Koch, Wildi, Mahler, Schmidiger, Renggli, Wey, Stirnemann, Peter (Bislimi, Hodel, Leuenberger, Bisang, Mare)
FC Gunzwil II: Bättig; Habermacher, Rogger, Fallegger, Erni, Troxler, Zimmermann, Stirnemann, Herzog, Barmettler, Wey (Schumacher, Lang, Hofer, Felix, Haxhija, Fankhauser).