Ein besonderer Besuch, über 150 Zuschauer, fünf Tore und eine Aufholjagd, die beinahe noch belohnt worden wäre. Der Fussballsonntag in Sachseln hatte einmal mehr einiges zu bieten. Und doch spielte sich die schönste Geschichte bereits vor dem Anpfiff ab.
Sonntag, 16.00 Uhr, Sportplatz Sachseln. Es gibt wohl kaum einen schöneren Zeitpunkt für ein Stück ehrlichen Regionalfussball. Das Dorf nimmt sich Zeit. Man trifft sich bei Bier und Wurst, fachsimpelt über die jüngsten Leistungen und schaut den Jungs beim Kicken zu. Fussball, wie er sein soll. Unkompliziert, leidenschaftlich und mitten im Dorfleben.
So auch am 11. Oktober 2026, als der FC Horw zum tabellarischen Direktduell gegen den Aufsteiger Team Sarneraatal a anreiste. Die Ausgangslage versprach Spannung. Mit einem Sieg hätte sich Sarneraatal von den Horwern distanzieren können. Die Gäste hingegen hatten die Chance, aufzuschliessen und gleich vorbeizuziehen. Verlieren war für beide eigentlich keine Option.
Doch bevor es sportlich zur Sache ging, sorgte der FC Sachseln für einen Moment, der weit über den Fussball hinausging. Der FC Sachseln hatte Bewohnerinnen und Bewohner der Stiftung Rütimattli eingeladen. Die Stiftung begleitet und unterstützt rund 300 Menschen mit Beeinträchtigungen in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Bildung und Betreuung und ist damit eine wichtige soziale Institution in Obwalden.
Einige der Gäste durften die Spieler beider Mannschaften beim Einlaufen auf den Rasen begleiten. Was für die Fussballer normalerweise eine alltägliche Angelegenheit ist, wurde an diesem Nachmittag zu einem ganz besonderen Erlebnis. Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, einige davon im Rollstuhl, betraten gemeinsam mit den Spielern den Rasen. Stolze Gesichter, strahlende Augen und eine Freude, die ansteckend war. Für die Fussballer war es gleichzeitig ein eindrücklicher Perspektivenwechsel. Wir nehmen es oft als selbstverständlich hin, gesund zu sein, einem Ball nachjagen zu können und unserem Hobby nachzugehen. Dabei ist genau das ein grosses Privileg.
Dieser gemeinsame Einlauf zeigte auf wunderbare Weise, wie Sport Menschen verbinden kann, unabhängig von ihren Möglichkeiten, ihren Herausforderungen oder ihrer Lebenssituation. Die Freude war auf beiden Seiten riesig. Ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen besonderen Anlass ermöglicht haben. Wir als Mannschaft haben uns über den Besuch sehr gefreut. Solche Begegnungen bleiben in Erinnerung, weit länger als manches Fussballresultat.
Dann aber rollte der Ball. Und beide Mannschaften zeigten von Beginn weg, dass sie nicht gekommen waren, um sich mit einem Unentschieden zufriedenzugeben. Sarneraatal startete mutig und kam bereits in den ersten Minuten über die rechte Seite zu einer gefährlichen Doppelchance. Doch auch Horw meldete früh seine Ambitionen an. Nach einem hohen Ball vor das Sarner Tor schien die Führung für die Gäste bereits Tatsache zu sein. Doch Carlos Raimundo Rodrigues (Nr. 19) rettete mit letztem Einsatz auf der Linie.
In der Folge entwickelte sich ein intensives, taktisch geprägtes Spiel. Beide Mannschaften neutralisierten sich über weite Strecken im Mittelfeld. Sarneraatal versuchte, das Spiel spielerisch zu lösen. Immer wieder das Zentrum rund um Xhavit Ukshini (Nr. 20) gesucht. Mit klugen Ablagen, gutem Stellungsspiel und geschickten Seitenwechseln brachten sie ihre Mitspieler in aussichtsreiche Positionen. Besonders über die Flügel, mit gelungenen diagonalen Verlagerungen, gelang es den Einheimischen mehrfach, die Horwer Defensive zu knacken. Doch dann fehlte entweder der letzte Pass oder vor dem Tor die nötige Konsequenz.
Horw seinerseits baute geduldig aus der Defensive auf, suchte danach aber häufig mit langen Bällen die schnellen Offensivspieler. Diese verstanden es ausgezeichnet, die Zuspiele festzumachen und die Sarner Hintermannschaft zu beschäftigen. Wirklich zwingende Torchancen blieben allerdings Mangelware. Mit leichten Vorteilen für Sarneraatal und einem torlosen 0:0 ging es in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel kehrten beide Teams unverändert zurück. Die Partie nahm nun spürbar Fahrt auf. Es lag etwas in der Luft. Die Frage war nur: Wer setzt den ersten Nadelstich? Mit der Einwechslung von Leandro Bezzola (Nr. 17) brachte Horw zusätzliche Erfahrung und spielerische Klasse auf den Platz. Und ausgerechnet er sollte wenig später entscheidend beteiligt sein.
Nach einem Eckball verlängerte Bezzola den Ball geschickt. Sarner Schlussmann Daniel Klasic (Nr. 22), der den abwesenden Haris hervorragend vertrat, reagierte glänzend und parierte mit dem Fuss. Beim anschliessenden Nachschuss war aber auch er machtlos. 0:1. Ein bitterer Rückstand für die Einheimischen.
Doch wer glaubte, Sarneraatal würde sich davon beeindrucken lassen, sah sich getäuscht. Die Mannschaft reagierte sofort. Mit Mauro Enz (Nr. 17) und Gabriel Piliskic (Nr. 7) kamen sie zu zwei hochkarätigen Möglichkeiten. Der Ausgleich lag förmlich auf dem Silbertablett. Nur zugreifen wollte niemand. Und so bewahrheitete sich einmal mehr die wohl älteste Fussballweisheit der Welt: Wer sie vorne nicht macht, bekommt sie hinten.
Ein langer Ball durch das Zentrum, erneut war Bezzola beteiligt. Dieser startete aus einer aus Sachsler Sicht klaren Abseitsposition. Weil schliesslich ein anderer Horwer vor Klasic an den Ball kam und einschob, liess der Schiedsrichter den Treffer nach seiner Beurteilung des passiven Abseits zählen. Eine höchst umstrittene Entscheidung, die auf und neben dem Platz für reichlich Gesprächsstoff sorgte. 0:2. Statt des möglichen Ausgleichs lag Sarneraatal plötzlich mit zwei Toren zurück.
Sarneraatal reagierte erneut, stellte auf eine Dreierabwehr und zwei Sturmspitzen um. Die Botschaft war klar: Hier wird nichts abgeschenkt. Doch mitten in diese Druckphase folgte der nächste Rückschlag. Ein missglückter Rückpass auf den Torhüter wurde von den cleveren Horwern abgefangen und eiskalt zum 0:3 verwertet. Die Partie schien entschieden. Schien.
Denn was die Einheimischen danach zeigten, verdient Respekt. Statt die Köpfe hängen zu lassen, warfen sie nochmals alles nach vorne. Sie suchten nun vermehrt den direkten Weg durch das Zentrum, kombinierten mit mutigen Steckpässen durch die Schnittstellen und erhöhten den Druck auf das Horwer Tor. Endlich wurde der Aufwand belohnt. Dominik Bacher (Nr. 6) nutzte eine dieser Möglichkeiten und verkürzte auf 1:3.
Plötzlich war wieder Leben auf dem Platz. Die Zuschauer spürten, dass hier noch etwas gehen könnte. Sarneraatal rannte weiter an, kämpfte um jeden Ball und liess nicht locker. Und tatsächlich: Armend Fazlija (Nr. 11) belohnte den unermüdlichen Einsatz mit dem umjubelten 2:3. Jetzt brannte es nochmals richtig vor dem Horwer Tor. Die Gäste mussten alles daransetzen, den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Sarneraatal warf die letzten Reserven in die Waagschale. Der Ausgleich lag in der Luft. Doch die Uhr kannte kein Erbarmen. Wenig später war Schluss.
Am Ende durfte der FC Horw einen 3:2-Auswärtssieg feiern. Die Gäste präsentierten sich in den entscheidenden Momenten abgeklärter und effizienter. Vielleicht auch eine Spur reifer als der Aufsteiger aus dem Sarneraatal. Sie nutzten ihre Möglichkeiten konsequent und nahmen die drei Punkte verdient mit nach Hause.
Für Sarneraatal bleibt die Erkenntnis, dass Einsatz und Spielqualität allein noch keine Punkte garantieren. Wer solche Partien gewinnen will, muss seine Chancen besser nutzen und die entscheidenden Fehler abstellen. Was aber ebenfalls bleibt, ist die eindrückliche Moral dieser Mannschaft. Nach einem 0:3 nochmals derart zurückzukommen, bis zur letzten Sekunde an sich zu glauben und alles füreinander zu geben, ist keine Selbstverständlichkeit.
Darauf lässt sich aufbauen. Die Saison ist noch lang, und wer mit dieser Leidenschaft weiterspielt, wird sich auch wieder belohnen. Und so endet ein herrlicher Herbstsonntag in Sachseln. Über 150 Zuschauer, ein Rasen, der nach der Sommerhitze wieder saftig grün ist, fünf Tore, reichlich Diskussionsstoff und viele schöne Begegnungen.
Besonders in Erinnerung bleiben aber die strahlenden Gesichter unserer Gäste von der Stiftung Rütimattli. Das gemeinsame Einlaufen, die Freude am Spielfeldrand und die vielen herzlichen Begegnungen haben diesen Nachmittag zu etwas Besonderem gemacht.
Schön, wart ihr Teil dieses Sonntags. Ihr seid jederzeit wieder herzlich willkommen! Und für unsere Jungs gilt: Mund abwischen, weiterarbeiten und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten behalten. Die Leistung stimmt über weite Strecken, die Moral sowieso. Jetzt müssen nur noch die Punkte folgen.
Telegramm Team Sarneraatal a – FC Horw 2:3 (0:0)
Mattli, Sachseln. Über 150 Zuschauer. – Tore: 55. 0:1. 70. 0:2. 75. 0:3. 80. Bacher 1:3. 88. Fazlija 2:3. – Team Sarneraatal a: Klasic; L. Iten, Raimundo Rodrigues, Berwert; Fernandes Oliveira, Windlin, Büchler; Rugova, Ukshini, Piliskic; Ibisi (C). Ersatz: Imfeld, Enz, Bacher, von Moos, Fazlija, Jakupi, N. Iten. Trainer: Brancati. – FC Horw: J. Ming; Schmid; S. Primus, Lechner; Blum, Leyers (C), N. Ming; Krause, Lötscher; Fischer, D. Primus. Ersatz: R. Ming, Fuhrer, Campillo, Qerimi, Serifi, Bezzola, Dilberovic. Trainer: Würsch, Schmid. – Bemerkungen: Schönes Herbstwetter. Der Rasen stand etwas hoch, zeigte sich aber wieder in sattem Grün. Schiedsrichter Leistung stark polarisierend. Grosse Kulisse in Sachseln. Die Torschützen von Horw waren bis Redaktionsschluss nicht bekannt.































