Marco Spiess: «Uns fehlt die Qualität in der Breite»

Marco Spiess, Trainer des FC Brunnen, hofft auf eine bessere Rückrunde (Bild: Thomas Bucheli).

Marco Spiess, Trainer des FC Brunnen, hofft auf eine bessere Rückrunde (Bild: Thomas Bucheli).

Der FC Brunnen überwintert in der 2. Liga interregional auf einem Abstiegsrundenplatz. Die Gründe dafür sind vielfältig. Thomas Bucheli sprach im November 2019 mit Brunnen-Trainer Marco Spiess über die Vorrunde.

Wie zufrieden sind Sie mit der Vorrunde?

Wir überwintern auf einem Abstiegsplatz, entsprechend unzufrieden sind wir mit der Entwicklung in der Vorrunde.

Was sind die Gründe, dass der FC Brunnen die Vorrunde unter dem Strich beendet?

Die Gründe sind vielseitig. Einerseits hatten wir im Sommer zum wiederholten Male einen grossen Umbruch in der Mannschaft, was sicherlich jeweils eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Andererseits, und dies ist für mich der Hauptgrund unserer schlechten Ausbeute, hatten wir eine unterirdische Präsenz während der Vorbereitung. Während der Meisterschaftsphase wurde es zwar etwas besser, aber wir haben immer noch zu viele Spieler, welche sich nicht bewusst sind, was es für den Erfolg benötigt. Dazu traten während der laufenden Meisterschaft noch zwei Spieler aus beruflichen Gründen zurück. Dies ist sicherlich auch nicht förderlich, und für mich so nicht wirklich nachzuvollziehen.

Und weiter?

So ist es für mich nicht verwunderlich, dass wir auch immer wieder angeschlagene Spieler haben, da die entsprechende physische Basis fehlt. Aktuell müssen bei uns Akteure Spiel für Spiel Verantwortung übernehmen und die Kohlen aus dem Feuer holen, welche aus unteren Ligen kommen und entsprechend langsam herangeführt werden sollten. Entsprechend reicht dies über die gesamte Dauer einer Vorrunde nicht aus.

Den einstigen Gruppenleader Rotkreuz bodigte das Team nach einem 3:0-Rückstand noch mit 4:3, aber daran konntet ihr nicht anhängen, weshalb?

Weil jedes Spiel seine eigene Entwicklung hat. Leider konnten wir die gewonnene Moral nicht mitnehmen und machten in den folgenden Spielen in den entscheidenden Momenten jeweils Fehler oder haben schlicht nicht die Emotionen auf den Platz gebracht, welche es in einem Abstiegskampf benötigt. Diesbezüglich müssen wir definitiv über die Bücher und daran arbeiten.

Mit 12 Toren und 34 Gegentoren in 14 Partien scheint der FCB sowohl in der Offensive als auch in der Abwehr Probleme zu haben?

Die Tabelle lügt nach der Vorrunde sicherlich nicht mehr. Wir mussten von Spiel zu Spiel immer wieder improvisieren und oft hatten wir nicht die nötige Breite im Aufgebot, um sämtliche Wechselmöglichkeiten mit Spielern aus unserem Kader zu tätigen. Wir sind froh, wenn uns Spieler von der 2. Mannschaft jeweils unterstützen, aber grundsätzlich benötigen wir die Breite und Präsenz im Kader, dass wir eine Meisterschaft ohne Unterstützung durchziehen können. So reichte schlicht leider oft die Qualität in der Breite nicht aus.

Was fehlt dem Team? Konnten die Abgänge im Sommer nicht kompensiert werden?

Mit den Abgängen von Jonas Truttmann, Yves Jöhl und Petr Slajs verloren wir definitiv Qualität. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass wenn die 20 Spieler welche anfangs Saison im Kader standen, präsent und fit gewesen wären, wir eine ganz andere Rolle hätten spielen können.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie und Ihr Coach Werni Betschart die Mannschaft noch erreichen können?

Als Trainer hinterfragt man sich logischerweise ebenfalls und ich will mich auch nicht aus der Verantwortung ziehen. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir die Mannschaft nach wie vor erreichen und, wenn wir über den Winter die korrekten Lehren und Konsequenzen ziehen, wir uns aus dieser unangenehmen Situation gemeinsam wieder rausarbeiten werden. Dazu benötigt es die Bereitschaft von allen Spielern, Staffmitgliedern und Vereinsverantwortlichen gemeinsam und konsequent in dieselbe Richtung zu arbeiten.

An was fehlt es konkret im Team der Brunner?

Manchmal fehlen die positive Grundhaltung und Überzeugung gemeinsam etwas reissen zu können. Aufgrund der Resultate ist dies zwar verständlich, trotzdem müssen wir diesbezüglich einen Schritt vorwärtskommen, um insgesamt wieder eine positivere Stimmung auf dem Schoeller-Meyer-Fussballplatz hinzukriegen.