Der SC Kriens hat im Aufstiegsrennen der Promotion League ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt und das Heimspiel gegen Paradiso mit 4:0 für sich entschieden. Trotz schwieriger Anfangsphase kontrollierten die Innerschweizer die Partie zunehmend und wurden ihrer Favoritenrolle vor 1144 Zuschauern im Stadion Kleinfeld gerecht.





Bei kühlen Bedingungen brauchte der Tabellenführer etwas Zeit, um ins Spiel zu finden. Zwar setzte Célien Wicht früh ein erstes Zeichen, doch insgesamt wirkte das Krienser Spiel zunächst wenig zwingend. Paradiso zog sich tief zurück und machte die Räume eng, blieb offensiv jedoch weitgehend ungefährlich. Eine erste grosse Möglichkeit vergab Luka Sliskovic, dessen Kopfball in der 16. Minute an die Latte prallte. Der Bann wurde in der 30. Minute gebrochen: Nach einem missglückten Rückspiel der Tessiner reagierte Nico Siegrist am schnellsten und traf aus kurzer Distanz zur Führung. Mit dem 1:0 ging Kriens in die Pause, wobei kurz vor dem Seitenwechsel ein Kopfball der Gäste knapp über das Tor strich.
Nach dem Seitenwechsel erhöhte Kriens den Druck und sorgte früh für klare Verhältnisse. In der 57. Minute setzte sich Sliskovic auf der linken Seite durch, sein Zuspiel wurde zunächst abgewehrt, doch Nando Toggenburger reagierte am schnellsten und drückte den Ball zum 2:0 über die Linie. Nur sieben Minuten später doppelte der Topskorer nach und erhöhte auf 3:0, womit er seine persönliche Trefferbilanz auf 22 Saisontore ausbaute. Kriens blieb spielbestimmend und defensiv stabil. Die Gäste aus dem Tessin fanden auch in der zweiten Halbzeit kaum Mittel, um gefährlich vor das Tor von Zajac zu kommen. Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Marco Rüedi in der 83. Minute mit dem Treffer zum 4:0.
Die Partie war geprägt von viel Ballbesitz der Krienser, konsequenter Chancenverwertung und einer insgesamt reifen Teamleistung. Auch personell zeigte sich der SCK breit aufgestellt: Neben den Treffern sorgten mehrere Wechsel im Verlauf der zweiten Halbzeit für frische Impulse.
Mit diesem klaren Erfolg bleibt der SC Kriens zwei Runden vor Schluss an der Tabellenspitze und hat den Aufstieg weiterhin in den eigenen Händen. Die Ausgangslage bleibt komfortabel – der entscheidende Schritt kann nun im nächsten Spiel am kommenden Samstag auswärts gegen die Berner Youngboys U21 gelingen.
4:0 gegen Paradiso und die Frage: Mit was darf man nun rechnen?
Ein Kommentar von Oliver Kraaz *
Zwei Dinge sind wir an diesem Samstag hängengeblieben: Nicos Siegrist und seine Tore, die immer dann fallen, wenn sie dringend benötigt werden. Gegen Paradiso der Dosenöffner zum 1:0. Meine jüngere Tochter, die eine gewisse Unschärfe beim Schätzen von männlichen Zeitgenossen hat, fragte mich damals im Heerenschürli, wer denn der 50-jährige bei Kriens sei. Äh, ja. Der Nico. Der sei noch nicht ganz 50, bemerkte ich. Ziemlich fest noch nicht ganz.
Es sind aber nicht nur die Tore, es ist das ganze Benzin, das bei der Mannschaft im Tank blubbert, wenn er auf dem Feld ist. Ich vermisse ihn schon jetzt, wenn er dann wirklich mit 50 Jahren und wohl 700 Toren für den SC Kriens zurücktreten wird.
Zweites Highlight gegen Paradiso: Deren Trainer Andrea Agostinelli. Ein Mann mit einer grossartigen Aura. Braungebrannte, ledrige Haut, graubraune Haare, ein mediterraner Hauch von Nizza und San Remo. Agostinelli coachte 90 Minuten voller Energie rum, trippelte mit seinen gelb-schwarzen Designer-Lederschuhen in der Zone rum wie ein Duracell-Männchen. Agostinelli wirkte wie eine Mischung aus Roland Kaiser, Günther Netzer und dem kettenrauchenden Cesar Luis Menotti, dem legendären Weltmeister-Trainer Argentinien von 1978.
Ich hätte Agostinelli bessere, noch bessere Spiele gegönnt als die am Samstagabend. Einfach was ganz Grosses. Nur scheint dies das Los dieses Mannes zu sein, der es nie weiter als in die albanische, maltesische Liga oder in die Serie C schaffte. Umso schöner, dass Agostinelli in Kriens seine Aufwartung machte. Grosses Kino – wenn auch von den meisten wohl kaum bemerkt.
Das ist kaum verwunderlich. Denn das 4:0 war eine immer konkreter werdende Anreise an unser «Finalspiel», das nun am Samstag in Bern ansteht. Zwei Spiele, sechs Punkte sind noch zu vergeben, vier Punkte Vorsprung. 2018 wars am 19. Mai, in der zweitletzten Runde, als man gegen La- Chaux-de-Fonds aufstieg. Ich in Damenjeans mitjubelte – aber die Story habe ich nun schon 100-mal erzählt.
Also: 96 Tore erzielt, noch zwei Spiele. Aufstieg mit 100 Toren, darf man so rechnen? Die Frage dürfte auch anders lauten: Wieso steigt eigentlich nur der erste aus dieser Promotion League auf, die immerhin satte 18 Teams umfasst? Kleine Randnotiz.
Telegramm SC Kriens – FC Paradiso 4:0 (1:0)
Kleinfeld. – 1144 Zuschauer. – SR Karlsson.
Tore: 30. Siegrist 1:0. 57. Toggenburger 2:0. 64. Toggenburger 3:0. 83. Rüedi 4:0.
Kriens: Zajac; Hermann (82. Riedmann), Fäh, Heiniger, Touré; Romano (74. Rüedi), François; Siegrist (74. Gebreyesus), Sliskovic (82. Facal); Wicht (63. Hoxha), Toggenburger.
Paradiso: Abazi; Plisko (46. Bollati), Sylaj, Miranda, Benacquista; Cellamare (46. De Jesus Sousa), Akdemir (55. Morandi), Carpani, Centinaro (71. Assui); Ouattara (82. Montes Garcia); D’Agostino.
Bemerkungen: Kriens ohne Aversa (verletzt). Paradiso u. a. ohne Schelotto. 16. Kopfball von Sliskovic an die Latte. Verwarnungen: 50. François (Unsportlichkeit), 50. Akdemir (Unsportlichkeit), 52. Romano (Unsportlichkeit).
* Oliver Kraaz (54) ist seit seinem 11. Lebensjahr überzeugt, dass ein Leben ohne SC Kriens nicht möglich ist – obwohl es Saisons gab, wo er es wünschte.




























