Das Kleinfeld bebte ein letztes Mal in dieser Saison – und wie. In einer ohnehin schon denkwürdigen Spielzeit setzte der SC Kriens dem eigenen Sommermärchen einen Schlussakt, der an Dramatik und Emotion kaum zu überbieten war. In der Nachspielzeit explodierte das Stadion, als Timo Harperink mit einem spektakulären Treffer nicht nur den 2:1-Sieg gegen Bavois sicherte, sondern gleichzeitig das 100. Saisontor erzielte – ein historischer Meilenstein für den SCK.














Dabei schien an diesem heissen Samstagabend lange Zeit alles auf ein versöhnliches Unentschieden hinauszulaufen. Die Temperaturen forderten ihren Tribut, das Tempo war phasenweise kontrolliert, der Fokus lag längst nicht mehr nur auf dem Spiel, sondern auf dem, was danach folgen sollte: die grosse Aufstiegsfeier. Der SC Kriens hatte sich den Sprung in die Challenge League bereits zuvor gesichert und wollte nun vor eigenem Publikum ein letztes Ausrufezeichen setzen.
Rund 1400 Zuschauerinnen und Zuschauer fanden den Weg ins Kleinfeld – weniger als erhofft, aber die, die da waren, sorgten für eine würdige Kulisse. Bereits vor dem Anpfiff lag eine besondere Stimmung in der Luft. Grün-weisse Rauchschwaden zogen über das Feld, ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit zwischen Team und Anhang. Trotz paralleler Grossereignisse im Sport gehörte dieser Abend ganz dem SC Kriens.
Sportlich begann die Partie mit einem kleinen Warnsignal: Bavois traf früh die Latte. Doch schnell wurde klar, dass Kriens dieses Spiel gewinnen wollte. In der 22. Minute brachte Nando Toggenburger die Gastgeber vom Punkt in Führung, nachdem Nico Siegrist im Strafraum gefoult worden war. Es war bereits Toggenburgers 24. Saisontor – ein weiterer Beleg für die offensive Wucht der Krienser in dieser Spielzeit.
Doch Bavois blieb unangenehm. Nach der Pause gelang den Gästen eher zufällig der Ausgleich, ein Ball, der mehr Flanke als Abschluss war, fand den Weg ins Tor. Die Partie war wieder offen, die Spannung stieg – und gleichzeitig wuchs die Vorfreude auf das, was nach dem Schlusspfiff kommen sollte.












Die Minuten verstrichen, die Hitze blieb drückend, das Spiel schien sich dem Ende entgegenzuschleppen. Doch dann kam diese eine Szene, die sinnbildlich für die gesamte Saison stehen sollte. In der 93. Minute entwickelte sich im Strafraum von Bavois eine unglaubliche Ballstafette. Mehrere Versuche, darunter gleich drei spektakuläre Fallrückzieher, sorgten für Chaos und Ungläubigkeit zugleich. Und schliesslich war es Timo Harperink, der den Ball tatsächlich wuchtig ins Netz drosch. Das Kleinfeld verwandelte sich in ein Tollhaus.
Dieser Treffer war mehr als nur ein Siegtor. Er war der 100. Treffer einer Saison, in der der SC Kriens seine Gegner regelmässig dominierte und begeisterte. Eine Marke, die in dieser Form Seltenheitswert hat – und die eindrücklich unterstreicht, wie aussergewöhnlich diese Spielzeit war.
Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. Fans stürmten den Platz, Spieler lagen sich in den Armen, überall wurde gelacht, gefeiert und fotografiert. Der Meisterpokal – zwar klein, aber von unschätzbarem Wert – machte die Runde durch die Menge. Jeder wollte Teil dieses Moments sein, jeder ein Erinnerungsfoto mitnehmen. Eine Nähe zwischen Team und Anhang, wie sie im Profifussball nur noch selten zu finden ist.
Es war ein Abend, der auch symbolisch zeigte, was diesen Verein ausmacht. Gemeinschaft, Emotion, Zusammenhalt. Noch im Winter war der grosse Traum vom Aufstieg greifbar, aber keineswegs Realität. Ein Testspiel im Januar, wenige Zuschauer, kühle Temperaturen – es war ein Kontrast zu dem, was nun erreicht worden war. Doch schon damals lag etwas in der Luft.
Nun ist es Gewissheit: Der SC Kriens kehrt in die Challenge League zurück. Und das mit einer klaren Identität. Die Mannschaft hat sich über Monate hinweg eine Spielweise erarbeitet, die nicht nur erfolgreich, sondern auch mitreissend ist. Genau dieser Stil soll auch in der zweithöchsten Liga beibehalten werden.
Die Herausforderung wird grösser, die Gegner stärker, die Erwartungen höher. Doch die Basis stimmt. Und wenn der Verein es schafft, auch künftig diese besondere Atmosphäre im Kleinfeld aufrechtzuerhalten, dann könnte dieses Sommermärchen noch lange nachwirken. Dieser letzte Abend war weit mehr als ein Fussballspiel. Er war der emotionale Höhepunkt einer Saison, die in die Geschichte des SC Kriens eingehen wird. Ein perfekter Abschluss – gekrönt von einem Tor, das man so schnell nicht vergessen wird.
Telegramm SC Kriens – FC Bavois 2:1 (1:0)
Stadion Kleinfeld. – 1400 Zuschauende. – SR Minder.
Tore: 22. Toggenburger (Foulpenalty) 1:0. 54. Guignard 1:1. 93. Harperink 2:1.
Kriens: Wälti; Riedmann (51. Caserta), Fäh (51. Gubinelli), Heiniger, Touré; Siegrist (63. Romano), François, Rüedi (64. Harperink), Hermann; Hoxha (51. Wicht); Toggenburger.
Bavois: Brenet; Diallo (71. Risse), Ivanov, Zock, Guignard; Ribeiro, Fedele (70. Trabelsi), Bega; Alvarez (81. Alonzo), Clément (71. Simões), Ouhafsa (80. Morelli).
Bemerkungen: Kriens ohne Sliskovic (Hirnerschütterung) und Willimann (gesperrt). Rüedi, Caserta, Gubinelli, Schindler (Assistentrainer) und Cavelti (Torhütertrainer) beim SCK verabschiedet. Kriens-Trainer Michael Winsauer vor dem Spiel für die Wahl zum Promotion-League-Trainer des Jahres geehrt. 2. Lattenschuss Oufhasa. Verwarnungen: 15. Rüedi, 68. Clément, 75. Harperink, 86. Toggenburger, 90. Simões, 94. Morelli (Fouls).




























