Last-Minute-Schock: Luzern bringt den Sieg in St. Gallen nicht über die Zeit

Crowd of blue-clad sports fans cheering with large blue-and-white banners and a flare visible in the stands.
Die Luzerner Fans feiern den sicher geglaubten Sieg nach dem Tor von Matteo die Giusto in der 89. Spielminute (Bild: Screenshot SRF).

Der FC Luzern hat den ersten Saisonsieg auf dramatische Weise aus der Hand gegeben. Nach einer schwachen ersten Halbzeit und einer starken Reaktion nach dem Seitenwechsel schienen die Innerschweizer dank des Führungstreffers von Matteo di Giusto in der 89. Minute endlich auf Kurs zu den ersten drei Punkten zu sein. Doch ein Handelfmeter tief in der Nachspielzeit ermöglichte dem FC St. Gallen noch das 2:2. Für den FCL bleibt die Erkenntnis, dass die Aufholjagd und die Leistungssteigerung Mut machen, die Defensive und individuelle Fehler aber weiterhin zu viele Punkte kosten.

Schwacher erster Durchgang und nächster Simoni-Patzer
Die Ausgangslage war klar: Während der FC St. Gallen mit zwei Siegen optimal in die Saison gestartet war, reiste der FC Luzern nach den deutlichen Niederlagen gegen Thun und Sion bereits unter Druck ins Berit Sitterstadion.

Die Gastgeber übernahmen von Beginn an die Kontrolle. Bereits nach drei Minuten verhinderte Bung Hua Freimann mit einer entscheidenden Ablenkung an den Pfosten die frühe Führung durch Christian Witzig. Luzern hatte Mühe, sich aus dem Pressing der Ostschweizer zu befreien, und leistete sich zahlreiche Ballverluste.

Immer wieder sorgten Witzig, Willem Geubbels Baldé und Lukas Daschner für Gefahr vor dem Luzerner Tor. Goalie Aleksander Simoni stand oft im Mittelpunkt. Mehrfach hielt er seine Mannschaft mit guten Paraden im Spiel, unter anderem gegen einen sehenswerten Versuch von Daschner, den er noch an die Latte lenkte. Offensiv gelang dem FCL wenig. Zwar erspielten sich die Gäste einige Eckbälle, wirklich gefährlich wurde es aber nur einmal, als Andrejs Cigaņiks einen Abpraller artistisch mit der Hacke aufs Tor verlängerte.

Kurz vor dem Pausenpfiff folgte dann die Szene, die aus Luzerner Sicht sinnbildlich für den schwierigen Saisonstart steht. Nach einer Flanke von St. Gallens Captain Lukas Görtler liess Simoni den Ball durch die Hände gleiten. Daschner reagierte am schnellsten und staubte in der Nachspielzeit zum verdienten 1:0 für die Espen ab. Für Simoni war es bereits der nächste folgenschwere Fehler in dieser noch jungen Saison.

Mikolajewski dreht das Spiel
Jörg Portmann reagierte in der Pause und brachte Neuzugang Daniel Mikołajewski für Ruben Fernandes. Die Einwechslung erwies sich als absoluter Glücksgriff. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, schlug der Pole zu. Nach einer präzisen Flanke von di Giusto traf Mikołajewski bereits in der 46. Minute zum 1:1-Ausgleich. Der neue Angreifer brachte sofort Dynamik, Präsenz und Durchschlagskraft ins Luzerner Spiel.

Plötzlich war der FC Luzern die bessere Mannschaft. Die Gäste fanden immer häufiger den Weg hinter die St. Galler Abwehr und erspielten sich eine Reihe hochkarätiger Chancen. Besonders auffällig: Immer wieder war Mikołajewski der Ausgangspunkt gefährlicher Angriffe. In der 50. Minute setzte er Oscar Kabwit perfekt ein. Dessen Abschluss landete jedoch nur am Pfosten. Wenig später leitete der Debütant die nächste Grosschance ein, doch Aurelio Oehlers scheiterte freistehend am glänzend reagierenden St. Galler Torhüter Lawrence Ati Zigi. Während Luzern nun dominierte, blieb St. Gallen vor allem durch Baldé gefährlich. Die Espen kamen ebenfalls zu Möglichkeiten, scheiterten jedoch mehrfach an Simoni oder der Luzerner Defensive.

Di Giusto trifft und dann beginnt das Chaos
Je länger die Partie dauerte, desto mehr deutete alles auf einen Luzerner Sieg hin. Die Ostschweizer wirkten nach ihrem Europacup-Auftritt unter der Woche müde, während der FCL weiterhin Druck machte. In der 89. Minute wurden die Gäste für ihren Aufwand endlich belohnt. Oehlers setzte sich stark durch und legte quer auf Matteo di Giusto. Der Offensivspieler blieb vor Zigi eiskalt und schob zum vermeintlichen Siegtreffer ein.

Doch die Schlussphase entwickelte sich zu einem wahren Spektakel. Zunächst vergab Oehlers nach einem weiteren Zuspiel von Mikołajewski die Entscheidung, als Zigi erneut spektakulär rettete. Danach jubelte St. Gallen über den vermeintlichen Ausgleich durch Görtler, doch der Treffer wurde wegen eines Offensivfouls aberkannt.

Als bereits alles nach dem ersten Luzerner Saisonsieg aussah, griff der VAR in der letzten Aktion des Spiels nochmals ein. Nach einer Überprüfung entschied Schiedsrichter Alessandro Dudic auf Handelfmeter für St. Gallen. Görtler trat an und verwandelte in der elften Minute der Nachspielzeit sicher zum 2:2.

Starke Reaktion, aber alte Probleme bleiben
Der FC Luzern zeigte nach der Pause die mit Abstand beste Halbzeit dieser Saison. Die Einwechslung von Mikołajewski brachte neue Energie ins Offensivspiel, zahlreiche Chancen wurden herausgespielt und die Mannschaft bewies grosse Moral nach dem Rückstand. Trotzdem bleibt die Ernüchterung gross. Der FCL wartet auch nach drei Runden weiterhin auf den ersten Sieg. Besonders bitter: Erneut verhinderten individuelle Fehler und mangelnde Konsequenz in den entscheidenden Momenten ein besseres Resultat.

Während die zweite Halbzeit Mut für die kommenden Aufgaben macht, zeigt die Schlussphase gleichzeitig, weshalb die Luzerner aktuell noch am Tabellenende stehen. Wer derart viele Chancen liegen lässt und sich in den entscheidenden Szenen unnötig verwundbar zeigt, wird auch künftig Schwierigkeiten haben, Spiele über die Zeit zu bringen. Am Ende bleibt für den FC Luzern ein Punkt, der sich nach dem Spielverlauf eher wie zwei verlorene Zähler anfühlt.

Telegramm FC St. Gallen – FC Luzern 2:2 (1:0)
Berit Sitterstadion, St. Gallen. – 19’416 Zuschauer. – SR Dudic.
Tore: 45. Daschner 1:0. 46. Mikolajewski 1:1. 89. Di Giusto 1:2. 101. Görtler (Handelfmeter) 2:2.
St. Gallen: Zigi; Ruiz, Stanic (80. Kleine-Bekel), Okoroji; Vandermersch (55. Owusu), Görtler, Daschner (55. Hunziker), Frokaj (69. Fazliji), Stevanovic; Witzig (80. Konietzke), Balde.
Luzern: Simoni; Dorn, Knezevic (82. Löfgren), Bung Hua Freimann, Ruben Dantas Fernandes (46. Mikolajewski); Bertone, Ferreira (79. Zimmermann); Kabwit (79. Oehlers), Di Giusto, Ciganiks; Meyer (64. Toggenburger/79. Oehlers).
Bemerkungen: St. Gallen ohne Ambrosius, Boukhalfa, Efekele, Gaal, May, Neziri, Scherrer und Weibel (alle verletzt). Luzern ohne Bung Meng Freimann, Owusu (gesperrt) und Bieler (verletzt). – 2. Pfostenschuss auf das eigene Tor Bung Hua Freimann. 19. Pfostenschuss Balde. 40. Lattenschuss Daschner. 49. Pfostenschuss Kabwit. 96. Aberkanntes Tor von Görtler.
Verwarnungen: 14. Bertone. 22. Bung Hua Freimann. 29. Daschner. 38. Ferreira. 52. Frokaj. 59. Ciganiks. 94. Zimmermann. 97. Mikolajewski (alle Foul).