Der FC Luzern steht in den Achtelfinals des Schweizer Cups. Was nach einem erfreulichen Erfolg klingt, offenbarte auf der Schützenwiese in Winterthur aber auch die bekannten Baustellen der Innerschweizer. Erst in der dritten Minute der Nachspielzeit gelang Captain Pius Dorn der erlösende Treffer zum 1:0-Sieg gegen den Challenge-League-Vertreter FC Winterthur.
Nach dem enttäuschenden 0:4 in Lugano war die Mannschaft von Mario Frick gefordert, eine Reaktion zu zeigen. Über weite Strecken gelang dies allerdings nur teilweise. Zwar übernahm Luzern von Beginn an die Spielkontrolle, liess den Ball durch die eigenen Reihen laufen und drängte Winterthur phasenweise tief in die eigene Platzhälfte. Doch wie schon mehrfach in dieser Saison fehlte dem FCL in der Offensive die nötige Konsequenz und Durchschlagskraft. Bereits früh boten sich den Gästen gute Möglichkeiten. Bongeli vergab nach einer sehenswerten Einzelaktion freistehend vor Winterthurs Torhüter Spagnoli, Mikolaiewski und Di Giusto scheiterten ebenfalls am starken Schlussmann der Gastgeber. Ein vermeintlicher Luzerner Führungstreffer nach einer Standardsituation wurde wegen einer Abseitsstellung korrekterweise aberkannt.
Trotz klarer Feldvorteile gelang es den Innerschweizern nicht, aus ihrer Überlegenheit Kapital zu schlagen. Winterthur setzte auf schnelle Gegenangriffe und blieb damit jederzeit gefährlich. Besonders nach Standards sorgten die Eulachstädter immer wieder für Unruhe im Luzerner Strafraum. Die beste Gelegenheit der ersten Halbzeit gehörte denn auch den Gastgebern, als Citherlet nach einem Eckball das Tor nur knapp verfehlte.
Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie zunehmend. Winterthur trat mutiger auf, gewann mehr Zweikämpfe und beschäftigte die Luzerner Defensive deutlich stärker. Beyer prüfte Letica, Marchesano traf mit einem Freistoss die Latte und auch mehrere gefährliche Vorstösse sorgten für Nervosität in der FCL-Hintermannschaft. In dieser Phase wirkte der Super-League-Klub alles andere als souverän.
Besonders kritisch aus Luzerner Sicht: Gegen einen ambitionierten Challenge-League-Klub gelang es dem Favoriten kaum, das Spiel entscheidend an sich zu reissen. Die Offensive blieb über lange Zeit ideenlos, klare Torchancen waren Mangelware und die zahlreichen Standards verpufften meistens wirkungslos. Winterthur hinterliess phasenweise sogar den reiferen Eindruck und war dem Führungstreffer mindestens ebenso nahe wie der höherklassige Gegner.
Als vieles bereits auf eine Verlängerung hindeutete, schlug Luzern doch noch zu. Kurz zuvor waren die Gäste zwar selbst vom Glück verfolgt worden, als ein Winterthurer Konter wegen einer wohl falschen Abseitsentscheidung gestoppt wurde. In der 93. Minute fiel schliesslich die Entscheidung: Nach einem Eckball landete der Ball über Umwege am zweiten Pfosten bei Pius Dorn. Der Captain behielt die Übersicht und drückte das Spielgerät aus kurzer Distanz über die Linie.
Mit dem späten Lucky Punch entging der FC Luzern einer weiteren Enttäuschung und sicherte sich den Einzug in die nächste Runde. Wirklich beruhigen dürfte dieser Erfolg die Innerschweizer allerdings nicht. Gegen aufopferungsvoll kämpfende Winterthurer offenbarte der FCL erneut Schwächen im Offensivspiel und tat sich gegen einen unterklassigen Gegner deutlich schwerer als erwartet. Am Ende zählt aus Luzerner Sicht dennoch vor allem eines: Der Cup-Traum lebt weiter. Der Weg dorthin war allerdings weit steiniger, als es sich ein Super-League-Klub wünschen kann.
Telegramm FC Winterthur – FC Luzern 0:1 (0:0)
Stadion Schützenwiese. – 7’800 Zuschauer. – SR Wolfensberger.
Tor: 93. Dorn (Toggenburger) 0:1.
Winterthur: Spagnoli; Rohner (81. Ottiger), Citherlet, Arnold, Camara (93. Turkes); Golliard, Cueni, Zuffi (69. Marchesano), Maluvunu (69. Kehrer); Odin; Beyer (81. Buess).
Luzern: Letica; Dorn, Bung Hua Freimann, Bung Meng Freimann, Ciganiks; Ferreira (61. Kabwit), Zimmermann (81. Winkler), Bertone, Di Giusto; Mikolajewski (95. Owusu), Bongeli (81. Toggenburger).
Bemerkungen: Winterthur ohne Burkart (verletzt). Luzern ohne Bieler und Wyss (beide verletzt). – 16. Tor von Mikolajewski in Abseits aberkannt. 75. Freistoss Marchesano an Latte. – Verwarnungen: 43. Ciganiks, 58. Dorn (beide Foul), 66. Beyer (Unbeherrschtheit), 73. Bung Hua Freimann, 80. Bung Meng Freimann, 84. Di Giusto (alle Foul).




























