Überraschendes Comeback von Jean-Michel Tchouga (37) im Luzerner Fussball (REGIOfussball.ch berichtete). Der ehemalige FCL-Profi will Hochdorf zum Ligaerhalt schiessen.
Jean-Michel Tchouga wechselt bis Ende Saison zum FC Hochdorf in die 2. Liga interregional. Das ist die Transfermeldung des Winters im Regionalfussball. Was beim einen oder anderen Fussballfan den Verdacht auf einen Marketinggag hervorruft, ist ernst gemeint. Der 37-jährige Kameruner hat bei den abstiegsbedrohten Seetalern einen Vertrag bis zum 30. Juni 2016 unterschrieben. Die Finanzierung läuft nicht über das Vereinsbudget, vielmehr haben «die grossartige Unterstützung von FCH-Freunden und das Entgegenkommen des Spielers» diesen Transfer ermöglicht, teilte der Verein mit.
Letztes Tor vor über neun Monaten
Damit kehrt Tchouga, der mit seiner Frau Mirjam in Kriens lebt, auch als Fussballer in den Kanton zurück, in dem er am meisten für Furore gesorgt hat. In seinen fünfeinhalb Jahren beim FC Luzern traf er in 134 Spielen 66-mal. 2005 und 2007 stand er mit dem Verein im Cupfinal, 2006 führte er ihn als Publikumsliebling und Torschützenkönig (27 Treffer) zurück in die Super League. «Dieser Aufstieg war der speziellste Moment meiner Karriere», sagt Tchouga, der heute regelmässig als Zuschauer in der Swissporarena zu Gast ist.
Den Kontakt zu Tchouga hergestellt hat Hochdorfs Spielertrainer Remo Meyer – 2002 spielten sie gemeinsam in Lausanne. Nach dem Abgang von Stürmer Kim Marolf (zu Hergiswil) in der Winterpause und angesichts der grundsätzlichen Hochdorfer Ladehemmung in der Vorrunde bestand in der Offensive Handlungsbedarf. «Mit seiner Persönlichkeit sowie seinen spielerischen und kämpferischen Qualitäten kann Tchouga uns weiterhelfen», sagt Meyer. Geht es nach dem Spieler selber, steht indes etwas anderes im Vordergrund. «Klar spreche ich viel mit meinen neuen Teamkollegen. Die Mannschaft steht in der Tabelle aber nicht in einer guten Position. Deshalb denke ich vor allem an Tore – auch mit 37», erzählt Tchouga und lacht.
Sein letztes Tor in einem Pflichtspiel ist allerdings schon eine Weile her. Vor etwas mehr als neun Monaten sicherte er Erstligist Düdingen ein 1:1-Remis gegen Fribourg. Danach setzte ihn ein Muskelriss für ein halbes Jahr ausser Gefecht. «Ich habe lange nicht gespielt. Ich habe zwar keine Schmerzen mehr, bin aber noch nicht ganz fit», gesteht Tchouga, um gleich eine Kampfansage an den Startgegner vom Samstag, den FC Eschenbach (18 Uhr, Weiherhus), hinterherzuschicken: «Ich muss fit sein, in einem Derby muss man spielen. Und man muss es gewinnen.» Laut Meyer dürfe man von Tchouga aber keine Wunderdinge erwarten: «Auch für ihn gibt es keine Zauberformel, auch er braucht Spielpraxis.» Neben einer Hand voll Trainings hat der 11-fache Ex-Nationalspieler Kameruns zwei Testspiele für die Hochdorfer absolviert.
Tchouga denkt an Nachwuchs
Der Grund, weshalb er sich im hohen Sportleralter für solche Herausforderungen nicht zu schade ist, wirkt so simpel wie typisch für den sympathischen Afrikaner: «Ich habe Lust und Freude am Fussball. Von mir aus kann es noch 30 Jahre weitergehen.» Ob seine aktive Laufbahn auch nach dieser Saison eine Fortsetzung finden wird, weiss Tchouga aber nicht, «das ist noch offen», sagt er. Für das Leben danach hat er jedenfalls schon mal die Weichen gestellt. In Lausanne absolviert er derzeit Kurse für das Trainer-B-Diplom, «Ende Jahr stehen die Abschlussprüfungen an». Und dann denkt er auch an persönlichen Nachwuchs. An einen «kleinen Hans-Michael», wie er in Anlehnung an die deutsche Übersetzung seines Vornamens lächelnd anmerkt. Hans-Michael Tchouga als künftiger Torschützenkönig des FC Luzern? Die Fans könnten sich gewiss daran gewöhnen …































