FC Rotkreuz findet im Tessin die gesuchten Antworten

Rotkreuz zeigte eine starke Reaktion bei brütender Hitze (Archivbild: Ruth Carbone).

Der FC Rotkreuz gewinnt beim FC Gambarogno nach frühem Rückstand mit 5:2. Die Rotkreuzer zeigten bei hochsommerlichen Temperaturen eine starke Reaktion, mussten nach einer Gelb Roten Karte fast eine halbe Stunde in Unterzahl bestreiten und überzeugten gerade in dieser schwierigen Phase mit Moral, Disziplin und grossem Teamgeist.

Nach dem holprigen Saisonstart mit einer Niederlage und einem knappen Heimsieg im Kantonsderby stand für den FC Rotkreuz die gewohnt schwierige Reise ins Tessin an. Beim soliden FC Gambarogno suchten Trainer Roland Schwegler und seine Mannschaft Antworten auf die bisherigen Auftritte. Sie fanden sie, allerdings erst nach einem denkbar schlechten Start.

Früher Rückstand, starke Reaktion
Beide Mannschaften begannen vorsichtig. Der gegenseitige Respekt war spürbar. Gambarogno liess den Ball laufen, Rotkreuz stand kompakt und wartete auf seine Möglichkeiten. Doch bereits nach wenigen Minuten passierte genau das, was man unbedingt vermeiden wollte. In der 6. Minute wurde Lujic unter Druck angespielt. Sein zu schwacher Pass durch die Mitte wurde von Stojanov abgefangen. Der Gambarogno Stürmer liess sich diese Einladung nicht entgehen und schob sehenswert in die lange Ecke zum 1:0 ein. Studerus im Rotkreuzer Tor blieb ohne Abwehrchance. Der Fehlstart war perfekt.

Doch der FCR wollte Antworten und sie kamen schnell. Die Mannschaft rückte enger zusammen, nahm die Zweikämpfe an und begann, ihre spielerischen Qualitäten auf den Platz zu bringen. Bereits neun Minuten später kombinierte sich Rotkreuz schön durch die Mitte. Bühler schloss die Aktion mit seinem schwächeren linken Fuss präzise ins lange Eck ab. Das 1:1 in der 15. Minute war die verdiente Reaktion. Rotkreuz liess nun nicht mehr locker. Besonders Lujic zeigte sich nach seinem Fehler wie entfesselt. In der 32. Minute sorgte er im Gambarogno Strafraum für grosse Unruhe, umspielte sogar Torhüter Vidovic und legte, statt aus spitzem Winkel selbst abzuschliessen, überlegt zurück. Nsiala nahm Mass und traf mit der gewohnten Ruhe sehenswert zur 2:1 Führung.

Bei 34 Grad zum Anpfiff waren die Bedingungen alles andere als einfach. Trotzdem drängte Rotkreuz weiter nach vorne und wollte noch vor der Pause nachlegen. In der 41. Minute gelang dies. Nach einer der zahlreichen Kombinationen über die Seite brachte Da Silva den Ball zur Mitte, wo Cvetkovic direkt zum 3:1 Pausenstand vollendete. Die erste Halbzeit hatte reichlich Spektakel und vier Tore geboten. Die eigentliche Bewährungsprobe für den FCR sollte allerdings erst noch kommen.

Platzverweis bringt Rotkreuz in Bedrängnis
Die bis dahin relativ faire Partie entwickelte sich nach der Pause zu einem Wechselbad der Gefühle. Zunächst blieb ein Ellbogeneinsatz gegen Bühler im Mittelfeld ungeahndet. In der 49. Minute sah Fazlic nach einem eher harmlosen Foul im Mittelfeld Gelb. Eine Entscheidung, die zehn Minuten später gravierende Folgen haben sollte. In der 59. Minute versuchte Fazlic vor Stojanov Position einzunehmen und den Ball zu antizipieren. Der Schiedsrichter taxierte die Aktion als Foul und zeigte Fazlic die zweite Gelbe Karte. Rotkreuz musste fortan mit zehn Mann auskommen.

Gambarogno erhielt zudem einen Penalty. Stojanov übernahm die Verantwortung und traf in der 62. Minute mit einem harten, flachen Schuss zum 2:3. Studerus ahnte die Ecke, doch der Abschluss war zu scharf und zu platziert. Plötzlich war die Partie wieder völlig offen. Wie würde Rotkreuz reagieren?

Die stärkste Antwort in Unterzahl
Trainer Roland Schwegler reagierte sofort. Moor verliess das Feld, Jovan Eric kam zur Stabilisierung der Defensive. Rotkreuz stellte auf ein kompaktes 4-4-1 um und zeigte danach eine bemerkenswert disziplinierte Leistung. Gambarogno hatte zwar mehr Ballbesitz, fand gegen den geschlossenen Rotkreuzer Block aber kaum Lösungen. Gleichzeitig blieb der FCR bei Gegenstössen gefährlich.

Und genau ein solcher brachte in der 72. Minute die vielleicht wichtigste Szene des Spiels. Nsiala startete bei einem mustergültigen Konter im richtigen Moment, behielt die Ruhe und lief alleine auf Vidovic zu. Statt überhastet abzuschliessen, umkurvte er den Torhüter und schob ins leere Tor ein. Das 4:2 stellte den Vorsprung von zwei Toren wieder her, und dies mit einem Mann weniger. Gambarogno erhöhte danach nochmals das Risiko und stellte auf eine Dreierabwehr um. Dadurch entstanden zwangsläufig Räume für die Rotkreuzer Gegenstösse. In der 89. Minute nutzte Da Silva einen davon. Der Flügelspieler zog mit Tempo in den Strafraum und konnte nur regelwidrig gestoppt werden. Den fälligen Penalty übernahm er gleich selbst und verwandelte sicher zum 5:2 Schlussresultat.

Moral und Teamgeist als entscheidende Faktoren
Der FC Rotkreuz war ins Tessin gereist, um Antworten zu finden, und bekam sie. Nicht nur wegen der fünf erzielten Tore, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie die Mannschaft auf die verschiedenen schwierigen Situationen reagierte. Nach dem frühen Rückstand kam die spielerische Antwort. Nach dem Platzverweis folgte die taktische und charakterliche Antwort. Gerade in Unterzahl zeigte Rotkreuz viel Disziplin, Solidarität und Teamgeist und setzte mit dem vierten und fünften Treffer sogar noch zwei entscheidende Nadelstiche.

Nun gilt es, schnell Energie zu tanken, denn für den FCR beginnt die englische Woche. Am Mittwoch geht es an den Bodensee, wo um 20.15 Uhr der FC Rorschach Goldach 17 in der Qualifikation für den SFV Cup 2027/28 wartet. Bereits am Samstag folgt um 16.00 Uhr das nächste Meisterschaftsspiel zu Hause gegen Aufsteiger FC Oetwil Geroldswil, der zu den ambitionierten Teams dieser Meisterschaft zählt.

Telegramm FC Gambarogno – FC Rotkreuz 2:5 (1:3)
Meisterschaft 2. Liga interregional, Gruppe 4, 05.09.2026
Centro Sportivo Regionale Magadino, Magadino. Ca. 150 Zuschauer.
Tore: 6. Stojanov 1:0. 15. Bühler 1:1. 32. Nsiala 1:2. 41. Cvetkovic 1:3. 62. Stojanov (Penalty) 2:3. 72. Nsiala 2:4. 89. Da Silva (Penalty) 2:5.
FC Gambarogno: Vidovic; Guidotti, Guidotti, De Gianbattista, Marighetti; Muletta, Borga, Sciarini, Gocic, Episcopo Da Silveira; Stojanov.
Ersatz: Migliaccio, Bottazzi, Maranta, Mouississa, Voi, Dujaka, Fuso.
FC Rotkreuz: Studerus; Lika, Ukaj, Fazlic, Da Silva; Lujic, Sacirovic, Bühler, Cvetkovic; Nsiala, Moor.
Ersatz: Virzenis, Fragodt, Jovan Eric, Toska, Lopes Silva.
Auswechslungen: 51. Bottazzi für Sciarini (Gambarogno). 60. Jovan Eric für Moor (Rotkreuz). 67. Maranta für Guidotti (Gambarogno). 72. Fuso für Gocic (Gambarogno). 74. Voi für Marighetti (Gambarogno). 74. Toska für Nsiala (Rotkreuz). 84. Fragodt für Lujic (Rotkreuz). 86. Dujaka für Muletta (Gambarogno). 89. Lopes Silva für Da Silva (Rotkreuz).
Verwarnungen: 49. Fazlic (Rotkreuz). 81. Cvetkovic (Rotkreuz). 88. De Gianbattista (Gambarogno).
Ausschluss: 59. Fazlic (Rotkreuz), zweite Verwarnung.
Bemerkungen: Spielbeginn bei rund 34 Grad.