Dantas-Fall wirft Fragen zur Partnerschaft zwischen FC Luzern und SC Kriens auf

Erst im Sommer wurde der Vertrag mit Ronaldo Dantas Fernandes vorzeitig um zwei Jahre bis Sommer 2029 verlängert (Bild: FC Luzern).

Die Leihe von Ronaldo Dantas Fernandes zum FC Stade Lausanne-Ouchy sorgt beim SC Kriens für Unverständnis und stellt die Zusammenarbeit zwischen den beiden Innerschweizer Klubs erneut auf den Prüfstand. Weniger die sportliche Entscheidung selbst als vielmehr die Umstände rund um den Wechsel haben in Kriens für Irritationen gesorgt.

Ronaldo Dantas Fernandes, ehemaliger Junior des SC Kriens und Bruder von FCL-Verteidiger Ruben Dantas Fernandes, galt aus Sicht des SCK offenbar als Wunschlösung für die laufende Saison. Nach Informationen aus dem Umfeld des Klubs sollen sich die Krienser mit dem Spieler und dessen Berater bereits weitgehend einig gewesen sein. Dennoch entschied sich der FC Luzern schliesslich für eine Ausleihe zum Challenge-League-Konkurrenten Stade Lausanne-Ouchy.

Gerade diese Entscheidung sorgt in Kriens für Kritik. Der SC Kriens kämpft in der Challenge League um wichtige Punkte und hätte einen jungen Spieler mit regionalem Bezug gut gebrauchen können. Dass ein Talent aus dem FCL-Nachwuchs nicht den Weg zum langjährigen Partnerklub findet, sondern direkt zu einem Liga-Konkurrenten wechselt, wird vielerorts als widersprüchliches Signal wahrgenommen.

Hinzu kommt, dass die Zusammenarbeit zwischen dem FC Luzern und dem SC Kriens in den vergangenen Jahren immer wieder Thema war. Während die Partnerschaft auf Nachwuchsstufe regelmässig als Erfolgsmodell bezeichnet wird, werden auf Ebene der Aktivmannschaften seit Längerem Fragen laut, wie eng die Kooperation tatsächlich noch gelebt wird. Der Fall Dantas Fernandes dürfte diese Diskussion weiter befeuern.

Der FC Luzern weist die Kritik jedoch zurück und betont die Bedeutung des gemeinsamen Ausbildungsmodells. Auf Anfrage von REGIOfussball.ch erklärte der Klub, dass das «Team Innerschweiz» mit dem FC Luzern, dem SC Kriens und dem Team Zugerland weiterhin eine gezielte und optimale Förderung von Nachwuchsspielern verfolge. Der FCL verweist dabei darauf, dass zahlreiche Spieler in den höchsten Schweizer Ligen die gemeinsame Nachwuchspyramide durchlaufen hätten.

Bezüglich Ronaldo Dantas Fernandes bestätigt der FC Luzern, dass auch eine Leihe zum SC Kriens geprüft worden sei. Partner- und Innerschweizer Klubs hätten bei solchen Entscheidungen grundsätzlich hohe Priorität. Nach Abwägung sämtlicher Faktoren habe man sich jedoch für das Gesamtpaket beim FC Stade Lausanne-Ouchy entschieden. Aus Sicht des FC Luzern bietet die Westschweizer Lösung die besten Voraussetzungen für die weitere sportliche Entwicklung des Spielers.

Gleichzeitig verweist der FCL darauf, dass man in diesem Sommer gerne weitere Spieler an den SC Kriens verliehen hätte. In diesen Fällen habe jedoch keine gemeinsame Lösung gefunden werden können.

Die Stellungnahme zeigt, dass der FC Luzern die Entscheidung primär aus Sicht der individuellen Spielerförderung beurteilt. Ob vielleicht auch finanzielle Interessen hinter den Entscheiden stehen wird nicht erwähnt. Es bleibt die Frage bestehen, wie eine Partnerschaft wahrgenommen wird, wenn ein ehemaliger Krienser Nachwuchsspieler trotz konkretem Interesse des SC Kriens zu einem direkten Konkurrenten wechselt. Aus Krienser Sicht erscheint dies als verpasste Chance, die Zusammenarbeit sichtbar zu stärken und dem Partnerklub sportlich entgegenzukommen.