Fairness auf dem Prüfstand: Protest nach Schenkon gegen Rottal Selection

Fairness? Der FC Schenkon steht nach einem Fussballspiel gegen die Rottal Selection in der Kritik (Screenshot: REGIOfussball.ch, KI-verbessert).

Nach dem C-Juniorenspiel zwischen der Rottal Selection C und den Schenkon Bears Ca liegt ein Protest vor. Recherchen von REGIOfussball.ch, ein der Redaktion zugestelltes Zuschauervideo sowie ein offener Brief rücken nun die Geschehnisse nach der 64. Minute in den Fokus. Im Raum steht die Frage, ob der sportliche Wettbewerb bis zum Schlusspfiff ernsthaft fortgeführt wurde. Eine abschliessende Beurteilung obliegt jedoch allein den zuständigen Verbandsinstanzen.

Das C-Juniorenspiel zwischen der Rottal Selection C und den Schenkon Bears Ca vom Samstag, 24. Oktober 2026, auf dem Sportplatz Gutmoos in Grosswangen beschäftigt den regionalen Juniorenfussball über den Schlusspfiff hinaus. Nach Informationen von REGIOfussball.ch wurde im Zusammenhang mit der Begegnung ein Protest deponiert.

Im Zentrum stehen die Geschehnisse nach einer Verwarnung gegen die Rottal Selection in der 64. Minute und das anschliessende Verhalten auf und neben dem Spielfeld. Die Partie endete mit einem deutlichen 12:0-Kantersieg der Rottal Selection. Das Resultat allein erzählt jedoch nicht die ganze Geschichte. Der Redaktion liegen neben dem bereits veröffentlichten zweiten Leserbrief ein ausführlicher offener Brief sowie Videoaufnahmen aus der Schlussphase der Begegnung vor. Dabei gilt: Sämtliche Vorwürfe sind bis zu einer abschliessenden Beurteilung durch die zuständigen Stellen als unbewiesen zu behandeln.

Verwarnung mit möglichen Auswirkungen auf die Rangordnung
Nach den REGIOfussball.ch vorliegenden Angaben musste die Rottal Selection die Partie gewinnen. Gleichzeitig konnte die Fairplay-Wertung für die Aufstiegsentscheidung von Bedeutung sein. In dieser Konstellation erhielt ein Spieler der Rottal Selection in der 64. Minute eine Verwarnung. Zu diesem Zeitpunkt führte die Rottal Selection bereits deutlich mit 6:0. Mit dieser gelben Karte standen plötzlich die Schenkoner auf Rang eins der Tabelle um einen Aufstieg in die 1. Stärkeklasse. Tatsachenentscheide auf dem Spielfeld sind grundsätzlich von einer möglichen separaten disziplinarischen Beurteilung des weiteren Geschehens zu unterscheiden. Entscheidend für die aktuelle Diskussion ist deshalb nicht die persönliche Bewertung der gelben Karte, sondern die Frage, was danach auf dem Spielfeld und in dessen Umfeld geschah.

Leserbrief erhob schwere Vorwürfe
REGIOfussball.ch veröffentlichte am 27. Oktober 2026 zwei Leserbriefe, die sich kritisch mit dem Verhalten rund um Juniorenspiele des FC Schenkon auseinandersetzten. Im zweiten Leserbrief wurde auch die Begegnung zwischen der Rottal Selection und den Schenkon Bears Ca thematisiert. Darin heisst es: «Nach dieser gelben Karte hat der SC Schenkon nicht mehr Fussball gespielt. Es wurden Eigentore provoziert, mit dem Ball vor dem eigenen Tor jongliert etc.» Die Verfasserin verband ihre Schilderung mit der Hoffnung, dass der nach dem Aufstiegsspiel eingereichte Protest Erfolg haben werde. Diese Aussagen stellen die persönliche Darstellung der Verfasserin dar. Sie sind weder eine Feststellung von REGIOfussball.ch noch ein rechtskräftiger Entscheid des Innerschweizerischen Fussballverbands.

REGIOfussball.ch liegt belastendes Videomaterial vor
Eine uns vorliegende Videoaufnahme eines Zuschauers zeigt Ausschnitte aus der Schlussphase der Partie. Auf diesen Videso sind Spielszenen zu sehen, in denen die Intensität der Gegenwehr Fragen aufwirft. Das Material kann damit Hinweise auf den Verlauf der Begegnung liefern. REGIOfussball.ch kann auf der Grundlage der vorliegenden Ausschnitte (Audio und Bild) feststellen, dass bewusst Gegentore zugelassen, Spieler ausdrücklich zu einem bestimmten Verhalten aufgefordert und gezielt Einfluss auf die Aufstiegsentscheidung genommen wurde.

REGIOfussball.ch konnte auf Anfrage zusätzliches Videomaterial aus einer Veo-Spielfeldkamera einsehen. Dieses Material wird von der Rottal Selection aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes nicht zur Veröffentlichung oder Weitergabe freigegeben. Die Redaktion respektiert diesen Entscheid. Die Einsicht in zusätzliches Videomaterial ermöglicht eine breitere redaktionelle Einordnung. Sie ersetzt aber keine formelle Beweisaufnahme durch den Innerschweizerischen Fussballverband oder eine zuständige Disziplinarinstanz. Für eine abschliessende verbandsrechtliche Beurteilung müssten die Aufnahmen im Zusammenhang mit dem offiziellen Spielrapport, dem eingereichten Protest, den Aussagen der beteiligten Vereine und den Stellungnahmen der direkt betroffenen Personen ausgewertet werden.

Offener Brief richtet sich an die Erwachsenen
REGIOfussball.ch liegt zudem ein ausführlicher offener Brief vor. Verfasst wurde dieser aus der Perspektive einer Person, welche die Partie als Zuschauer verfolgt haben will. Der Brief richtet die Kritik ausdrücklich nicht gegen die beteiligten Jugendlichen, sondern gegen Erwachsene, die im Juniorenfussball Verantwortung tragen.

Einleitend heisst es: «Dieser Brief entsteht aus der Perspektive der Zuschauer des Spiels zwischen der Rottal Selection C und der Mannschaft aus Schenkon, den Schenkon Bears Ca. Er richtet sich nicht gegen einzelne Jugendliche. Er richtet sich an die Erwachsenen, die im Jugendfussball Verantwortung tragen, und an diejenigen, die die Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb schaffen.» Der Verfasser schildert, die Rottal Selection habe zum Zeitpunkt der Verwarnung in der 64. Minute bereits mit 6:0 geführt. Anschliessend habe sich das Geschehen auf dem Spielfeld auffällig verändert. Im offenen Brief wird dazu ausgeführt: «Was anschliessend geschah, verstärkte die Irritation jedoch erheblicher: Ab der 64. Minute beteiligte sich die Schenkoner Mannschaft dann nicht mehr aktiv am Spiel. Spieler blieben stehen, ernsthafte Gegenwehr blieb weitgehend aus, weitere Tore wurden ohne Gegenwehr zugelassen.» Auch hierbei handelt es sich um die Wahrnehmung und Darstellung des Verfassers. Ob die Mannschaft den sportlichen Wettbewerb tatsächlich bewusst eingestellt hat, muss durch die zuständigen Stellen geklärt werden.

Vorwürfe gegen Personen aus dem Umfeld
Der offene Brief geht noch weiter und erhebt den Vorwurf, das beobachtete Verhalten sei nicht allein von den Jugendlichen ausgegangen. Darin heisst es: «Besonders bedenklich war die Beobachtung, dass dieses Verhalten nicht allein von den Jugendlichen bzw. von den Spielern ausging. Die jungen Schenkoner Spieler wurden durch Zurufe und Anweisungen aus dem Trainerumfeld und von Teilen der Zuschauenden darin bestärkt, nicht mehr aktiv mitzuspielen.» Diese Aussage wiegt schwer. Sie darf deshalb nicht als erwiesene Tatsache verstanden werden. Ob entsprechende Zurufe erfolgten, von wem sie ausgingen, welchen genauen Wortlaut sie hatten und ob sie von den Spielern wahrgenommen oder befolgt wurden, kann REGIOfussball.ch nicht abschliessend beurteilen. Ebenso wenig lässt sich derzeit zweifelsfrei feststellen, ob eine bestimmte Wirkung auf das Spielergebnis oder die Aufstiegsentscheidung beabsichtigt war. Genau diese Fragen müssten in einem geordneten Verfahren untersucht werden.

Offener Brief fordert Aufklärung statt Vorverurteilung
Trotz der teilweise deutlichen Wortwahl hält der Verfasser des offenen Briefs fest, dass es nicht um eine Vorverurteilung gehe: «Dieser Brief fordert keine Vorverurteilung. Er fordert, dass konkrete Beobachtungen und Fairplay-Verstösse ernst genommen und nachvollziehbar untersucht werden.» Weiter wird gefordert, dass vorhandene Aufnahmen, die Stellungnahmen der Vereine und die Ereignisse nach der 64. Minute geprüft werden. Der Brief stellt dabei auch das geltende Fairplay- und Wertungssystem grundsätzlich zur Diskussion. Strafpunkte und Fairplay-Wertungen sollen unsportliches Verhalten verhindern.

Nach Ansicht des Verfassers müsse jedoch geprüft werden, ob die konkrete Ausgestaltung in besonderen Konstellationen unbeabsichtigte Anreize schaffen könne. Dazu heisst es: «Sind diese Regeln so gestaltet, dass sie einen ernsthaften und fairen Wettbewerb bis zum Schlusspfiff fördern? Oder können sie, wie in diesem Fall, auch unfair handelnde Teams begünstigen?» Diese Frage geht über das einzelne Spiel hinaus. Sie betrifft die grundsätzliche Ausgestaltung von Ranglisten- und Aufstiegsmodalitäten im Juniorenfussball.

Könnte ein Disziplinarverfahren eröffnet werden?
Nach Einschätzung von REGIOfussball.ch kommt neben der Behandlung des eingereichten Protests grundsätzlich auch eine separate disziplinarische Prüfung infrage. Ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind, entscheidet jedoch ausschliesslich die zuständige Verbandsinstanz. Die seit Juli 2026 geltende Rechtspflegeordnung des Schweizerischen Fussballverbands enthält allgemeine Bestimmungen zu unsportlichem Verhalten, zur Teilnahme an disziplinarischen Verfehlungen und zur Integrität von Spielen und Wettbewerben. Die Rechtspflegeordnung nennt unter anderem die Grundsätze des Disziplinarrechts, die Teilnahme an Verfehlungen sowie mögliche Massnahmen gegen Klubs und natürliche Personen.

Artikel 8 der Rechtspflegeordnung betrifft die Teilnahme an einer disziplinarischen Verfehlung. Demnach kann nicht nur die unmittelbar handelnde Person belangt werden. Eine disziplinarische Verantwortlichkeit kann grundsätzlich auch bei vorsätzlicher Anstiftung oder Hilfeleistung geprüft werden. Von Bedeutung könnte zudem Artikel 13bis über die Integrität von Spielen und Wettbewerben sein. Ob diese Bestimmung im konkreten Fall zur Anwendung gelangt, hängt allerdings vom festgestellten Sachverhalt und von der rechtlichen Würdigung durch die zuständige Instanz ab. Eine blosse Vermutung genügt für eine Sanktion nicht. Notwendig wären eine nachvollziehbare Beweislage, die Identifikation verantwortlicher Personen und die Möglichkeit für die Betroffenen, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Punkteabzug ist rechtlich denkbar, aber nicht automatisch
In den sozialen Medien und im Umfeld der Rottal Selection wird auch die Frage diskutiert, ob der IFV nachträglich Straf- oder Meisterschaftspunkte gegen ein Team aussprechen könnte. Die Rechtspflegeordnung des SFV sieht gegen Klubs unterschiedliche Disziplinarmassnahmen vor. Dazu können unter anderem ein Verweis, eine Busse, die Annullierung eines Resultats, eine Forfait-Niederlage, der Entzug von Meisterschaftspunkten oder in besonders schweren Fällen weitergehende wettbewerbsbezogene Massnahmen gehören.

Damit ist ein Punkteabzug grundsätzlich als mögliche Disziplinarmassnahme im Reglement vorgesehen. Daraus folgt jedoch nicht, dass im vorliegenden Fall tatsächlich Punkte abgezogen werden können oder müssen. Zuerst müsste eine zuständige Instanz einen konkreten Verstoss feststellen. Anschliessend wäre zu prüfen, welche Massnahme angesichts der Schwere des Verhaltens, des Verschuldens, der Beweislage und der Auswirkungen auf den Wettbewerb verhältnismässig wäre.

Ein Punkteabzug wäre somit lediglich eine von mehreren theoretisch möglichen Rechtsfolgen. Ebenso denkbar wären Massnahmen gegen einzelne verantwortliche Personen oder andere Sanktionen gegen einen Klub. Welche Bestimmung allenfalls zur Anwendung gelangt, kann erst nach Abschluss der Sachverhaltsabklärungen beurteilt werden.

Ernsthafter Aufklärungsbedarf
Die bisher vorliegenden Informationen reichen aus Sicht von REGIOfussball.ch aus, um einen ernsthaften Aufklärungsbedarf festzustellen. Sie reichen jedoch nicht aus, um dem FC Schenkon, den Schenkon Bears Ca oder einzelnen Personen bereits abschliessend eine absichtliche Beeinflussung des Wettbewerbs vorzuwerfen.Die vorliegenden Videoaufnahmen, die Schilderungen im Leserbrief und die Aussagen im offenen Brief ergeben Anhaltspunkte, die geprüft werden sollten. Sie ersetzen aber keinen verbandsrechtlichen Entscheid.

Sollte sich bestätigen, dass erwachsene Verantwortliche Jugendliche dazu aufgefordert haben, die sportliche Gegenwehr einzustellen oder Gegentore bewusst zuzulassen, wäre dies nicht nur eine Frage des sportlichen Auftretens. Es würde die Integrität des Wettbewerbs und die Vorbildverantwortung im Juniorenfussball berühren. Sollten sich die Vorwürfe nicht bestätigen oder die vorhandenen Beweise für eine Sanktion nicht ausreichen, wäre auch dies klar und transparent festzuhalten.

Der offene Brief bringt den Kern der Diskussion mit einem einfachen Satz auf den Punkt: «Fussball lebt davon, dass beide Mannschaften spielen wollen, bis zum Schluss.» Ob im vorliegenden Fall gegen diesen Grundsatz oder gegen konkrete Verbandsbestimmungen verstossen wurde, müssen nun die zuständigen Instanzen klären. Bis zu einem rechtskräftigen Entscheid gilt für sämtliche betroffenen Personen die Unschuldsvermutung.