Vier weitere Leserinnen und ein Leser äussern sich nach der Berichterstattung über die Tumulte an einem C-Juniorenspiel (REGIOfussball.ch berichtete) und Fairness bei einem Aufstiegsspiel (REGIOfussball.ch berichtete) deutliche Kritik. Sie fordern von Trainern, Spielern, Zuschauern und Verbandsverantwortlichen ein konsequentes Einstehen für Respekt, Fairplay und eine verantwortungsvolle Vorbildfunktion.
Bei den nachfolgenden Texten handelt es sich um persönliche Wahrnehmungen und Meinungen der Verfasserinnen und Verfasser. Persönliche Angaben wurden zum Schutz ihrer Identität anonymisiert. Die Namen sind der Redaktion bekannt.
Leserbrief 3
Die Tumulte nach dem C-Junioren-Spiel FC Schenkon gegen SC Kriens werden zu Recht verurteilt. Gewalt hat auf einem Fussballplatz nichts verloren, und es ist richtig, dass der FC Schenkon gegen fehlbare Personen vorgeht. Doch was passiert mit dem Trainerstaff, der die Kinder dazu animiert und antreibt? Werden andere sanktioniert, während das eigene Verhalten geduldet wird? Der Trainerstaff ist der FC Schenkon. In der Diskussion fehlt mir deshalb der Blick aufs Ganze.
Die Gemeinde Schenkon erwartet, dass auch der SC Kriens seine Seite aufarbeitet. Bisher hat sich der Verein vor allem mit einem Protestschreiben gegen andere geäussert. Zur eigenen Rolle schweigt er. Dabei stand Fairplay beim SC Kriens auch in dieser Saison nicht immer im Vordergrund. Im Meisterschaftsspiel der 2. Stärkeklasse gegen die Rottal Selection trat Kriens mit sieben Spielern und dem Trainer der 1. Stärkeklasse an, obwohl der Verein in dieser Gruppe weder Interesse noch Chancen auf einen Aufstieg hatte. Die eigenen Junioren der 2. Stärkeklasse schauten zu. Auch wenn das Reglement keine fixe Obergrenze kennt: Mit so vielen Spielern und einem Trainer anzutreten, die gar nicht zur Mannschaft gehören, hat mit Fairplay nichts zu tun. Auch in diesem Spiel liess die Schiedsrichterleistung viele Fragen offen, darunter zwei aus meiner Sicht ungerechtfertigte gelbe Karten.
Zum Aufstiegsspiel Rottal Selection gegen Schenkon in Grosswangen, das eine Leserin bereits beschrieben hat: Beide Mannschaften lagen vor dem Spiel punktgleich an der Tabellenspitze, die Rottal Selection mit einem massiv besseren Torverhältnis. Trotzdem wusste Schenkon, dass eine einzige gelbe Karte für den Gegner zum Aufstieg reicht, ganz egal, wie hoch die eigene Niederlage ausfällt. Die Rottal Selection musste deshalb kein Risiko eingehen. Sie spielte die ganze Partie auf Vorsicht und war trotzdem klar überlegen. Spielerisch hatte der FC Schenkon keine Chance, das Spiel endete 12:0. Auffällig ruhig blieben dabei die Schenkoner Bank und der angereiste Anhang.
In der zweiten Halbzeit begannen Schenkoner Spieler, Fouls vorzutäuschen und zu simulieren. Auffällig war auch, dass der Schenkoner Trainer dann jeweils sofort aufs Spielfeld kam, mit dem Schiedsrichter diskutierte und dabei die eigenen Spieler wegschickte. Viele Anwesende hatten den Eindruck, dass alle wussten, was kommt. In der 64. Minute kam die Karte. Danach stellte die Schenkoner Mannschaft das Fussballspielen während rund 20 Minuten praktisch ein. Der Schiedsrichter liess sie gewähren und lächelte dazu. Ein solches Verhalten hätte geahndet werden müssen. Selbst das Resultat meldete er falsch, nämlich mit 11:0. Es musste im Nachgang korrigiert werden. Das Spiel wurde aufgezeichnet und von einem IFV-Vertreter beobachtet. Anwesende ehemalige Schiedsrichter und Spieler aus der höchsten Schweizer Liga zeigten sich fassungslos.
Für mich ist klar: Mit Massnahmen gegen einzelne Personen ist es nicht getan. Wenn ein Verein den Aufstieg nicht auf dem Platz holt, sondern über eine provozierte Karte, muss das Konsequenzen für den Verein haben. Im Sinne des Fairplays sollten weder die C-Junioren des FC Schenkon noch jene des SC Kriens aufsteigen dürfen. Ein Aufstieg ist eine Belohnung für sportliche Leistung und faires Verhalten, und beides hat in diesen Spielen gefehlt.
Ich erwarte vom IFV, dass er diese Spiele unabhängig prüft. Dazu gehört auch die Frage, ob ein Schiedsrichter eingesetzt werden darf, der mit einem Trainer einer der beiden Mannschaften persönlich bekannt ist. Von allen Vereinen erwarte ich, dass sie ihre Erfolge mit spielerischem Können holen und nicht mit Kalkül. Die Leidtragenden sind am Ende die Kinder. Sie können nichts dafür, wenn Trainer ihren eigenen Egoismus über alles stellen. Wer Jugendlichen beibringt, Fouls zu simulieren, auf Karten zu spekulieren und bei einem 0:12 das Spielen einzustellen, lehrt sie nicht Fussball, sondern Berechnung. Solche Trainer missbrauchen die Begeisterung der Kinder für ihre eigene Bestätigung. Was diese Jungs mitnehmen, ist nicht Freude am Sport, sondern die Lektion, dass sich Tricksen lohnt. Das ist der eigentliche Schaden, und er wiegt schwerer als jeder Aufstieg.
Ich gratulieren den Jungs der Rottal Selection und dem gesamten Staff für ihr Fairplay auf und neben dem Platz. Sie haben mit grosser Souveränität gezeigt, was Fairplay ist. Ihnen wurde der Aufstieg geklaut. Für mich war das nichts anderes als Beschiss.
Leserbrief 4
Offenbar handelt es sich nicht nur um ein einzelnes Spiel, bei dem der FC Schenkon negativ aufgefallen ist. Nein, auch beim Spiel in Grosswangen gegen die C Selection stellen sich Fragen, die man nicht einfach ignorieren sollte.
Der FC Schenkon hat mit seiner zweiten C-Mannschaft ebenfalls gegen die C Selection gespielt. Beide Spiele fanden am selben Tag statt. Dem FC Schenkon war genau bekannt, dass eine gelbe Karte für die C Selection entscheidende Auswirkungen auf den Aufstieg haben könnte. Gleichzeitig hatte die C Selection fast alle Spiele mit deutlichem Vorsprung gewonnen, und der FC Schenkon hatte es sportlich offenbar schwer, mitzuhalten. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Stand hier wirklich der Sport im Vordergrund? Oder hat man lediglich darauf gewartet, dass die C Selection eine gelbe Karte erhält, um daraus selbst einen Vorteil zu ziehen?
Nach dieser gelben Karte wurde das Spiel offenbar nicht mehr normal weitergeführt. Es soll sogar Videos geben, auf denen zu sehen ist, dass der Ball teilweise zum Gegner gespielt wurde, anstatt das Spiel sportlich weiterzuführen. Sollte sich dies bestätigen, ist ein solches Verhalten im Juniorenfussball definitiv zu hinterfragen. Beim IFV wurde sogar Einspruch erhoben. Umso unverständlicher ist es für viele, wenn der Eindruck entsteht, dass trotz eines solchen Einspruchs keine nachvollziehbaren Konsequenzen folgen.
Und jetzt kommt die entscheidende Frage: Wo bleibt hier das Fairplay? Es geht nicht einfach nur ums Gewinnen oder Verlieren. Es geht um junge Fussballer, denen Werte wie Fairness, Respekt und sportliche Ehrlichkeit vermittelt werden sollten. Was bringen wir diesen jungen Menschen bei, wenn der Eindruck entsteht, dass man sich durch ein solches Verhalten einen sportlichen Vorteil verschaffen kann? Wie sollen wir ihnen erklären, dass Fairplay wichtig ist, wenn es gerade dann, wenn es um etwas geht, scheinbar keine Rolle mehr spielt?
Wenn eine Mannschaft 11:0 gegen die C Selection verliert, gehört das zum Sport. Nicht jedes Spiel kann gewonnen werden. Aber wenn der Eindruck entsteht, dass durch ein Verhalten, das mit fairem sportlichem Wettkampf wenig zu tun hat, der Aufstieg beeinflusst wird, muss man dies kritisch hinterfragen dürfen. Fairplay ist nicht einfach ein Wort, das man vor dem Spiel auf ein Plakat schreibt. Fairplay muss gelebt werden – gerade dann, wenn viel auf dem Spiel steht. Der IFV sollte solche Vorfälle sorgfältig prüfen und nachvollziehbar erklären, wie er damit umgeht. Es geht nicht darum, jemanden vorschnell zu verurteilen. Es geht darum, dass für alle Mannschaften die gleichen Regeln gelten und dass Fairness mehr ist als ein leeres Versprechen.
Denn am Ende sollten nicht diejenigen belohnt werden, die sich möglicherweise auf fragwürdige Weise einen Vorteil verschaffen, sondern diejenigen, die sich sportlich fair verhalten. Genau das sollten wir unseren jungen Fussballern vermitteln: Respekt, Ehrlichkeit und Fairplay – auf und neben dem Platz! Denn im Juniorenfussball geht es nicht nur um Tabellenplätze und Aufstiege. Es geht auch darum, welche Werte wir der nächsten Generation mit auf den Weg geben. Und diese Werte dürfen niemals dem sportlichen Ehrgeiz geopfert werden.
Noch einmal besonders wichtig: Beide Spiele fanden am selben Tag statt. Genau deshalb stellen sich zusätzliche Fragen, die der IFV aus unserer Sicht transparent beantworten sollte. Es geht um Gleichbehandlung, sportliche Fairness und darum, dass die Regeln für alle Mannschaften gleich gelten – unabhängig davon, wer am Ende vom Ergebnis profitiert.
Leserbrief 5
Als Mutter von zwei fussballspielenden Jungs bin ich angesichts der Auseinandersetzung beim C-Junioren-Spiel zwischen Schenkon und Kriens schockiert. Solche Szenen machen einem beim Zuschauen Angst. Es ist tragisch, dass man sich mittlerweile auch bei Junioren-Matches mit solchen Vorfällen auseinandersetzen muss. Das hat für mich nichts mehr mit Fussball zu tun!
Wo sind Fairplay, Respekt und die Vorbildfunktion geblieben? Unabhängig davon, was die Untersuchungen ergeben werden, bin ich der Meinung, dass hier klare Grenzen gesetzt werden müssen. Man darf solche Vorfälle nicht einfach hinnehmen. Es muss Konsequenzen geben, damit sich solche Szenen nicht wiederholen. Denn ganz ehrlich: Wo soll das sonst noch hinführen?
Aus meiner Sicht sollte man sich auch ernsthaft die Frage stellen, ob unter solchen Umständen überhaupt eine der beiden Mannschaften aufsteigen sollte. Im Juniorenfussball geht es nicht nur um Siege, Punkte und Tabellenplätze. Es geht auch um Fairness, Respekt, Zusammenhalt und darum, unseren Jugendlichen die richtigen Werte zu vermitteln. Wenn solche Vorfälle keine klaren Konsequenzen haben, frage ich mich, wie sich am Verhalten langfristig etwas ändern soll. Fussball soll Freude machen – und nicht Angst. Gerade im Juniorenfussball müssen Fairplay und Respekt an erster Stelle stehen!
Leserkommentar
Mal ehrlich, ich habe mir dazu einige Gedanken gemacht. Ich habe zwar nicht selbst gesehen, was genau passiert ist, aber dem Trainer, Präsidenten, Staff oder den Spielern die Schuld zuzuschieben, geht meiner Meinung nach zu weit. Schliesslich versucht jeder Trainer, mit seiner Taktik das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und seine Mannschaft in die nächste Runde zu bringen.
Wenn man also unbedingt einen Schuldigen suchen möchte, dann sollte man zuerst beim Verband anfangen. Denn letztlich ist es der Verband, der die Regeln festlegt Wenn am Ende die Anzahl der Karten mehr Gewicht hat als die eigentliche sportliche Leistung auf dem Spielfeld, dann liegt das Problem doch in erster Linie beim Regelwerk!
Es ist einfach, mit dem Finger auf einen Trainer zu zeigen. Viel schwieriger ist es, sich einzugestehen, dass möglicherweise das System selbst solche taktischen Entscheidungen begünstigt. Man sollte nicht diejenigen verurteilen, die die Regeln zu ihrem Vorteil nutzen, sondern hinterfragen, ob diese Regeln überhaupt sinnvoll sind.


























