
Der FC Luzern hat die erhoffte Reaktion auf die beiden jüngsten Liga-Niederlagen nur teilweise geschafft. Gegen den FC Sion kamen die Innerschweizer vor heimischem Publikum nicht über ein 1:1 hinaus. Lange lebte der FCL vor allem von seiner defensiven Stabilität und einem starken Vjekoslav Letica. Nach der etwas glücklichen Führung durch ein Eigentor von Kreshnik Hajrizi schaffte es Luzern jedoch nicht, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen. Gemessen an den Chancen durfte der FCL mit dem Punkt am Ende sogar eher zufrieden sein.
Dabei begann Luzern durchaus vielversprechend. Bereits in der zweiten Minute lief Daniel Mikołajewski alleine auf Sion-Torhüter Anthony Racioppi zu, scheiterte jedoch am Schlussmann. Die Szene hätte ohnehin nicht gezählt, weil der Luzerner Angreifer aus einer Abseitsposition gestartet war. In der Anfangsphase hatte das Heimteam mehr Ballbesitz, suchte entschlossen den Weg nach vorne und trat engagiert auf. Nach einer kurz ausgeführten Ecke köpfte Mikołajewski in der 13. Minute über das Tor.
Mit zunehmender Spieldauer verschoben sich die Kräfteverhältnisse. Sion übernahm mehr und mehr die Kontrolle und drängte den FCL phasenweise tief in die eigene Hälfte. Die Luzerner Defensive stand allerdings kompakt und liess kaum Lücken zu. Genau dort lag gleichzeitig das Problem dieser ersten Halbzeit: Nach vorne brachte Luzern zu wenig zustande. Umschaltmomente, Flanken und lange Bälle waren vorhanden, doch auf den entscheidenden Metern fehlte es an Präzision. Erst kurz vor der Pause entstand die beste reguläre Luzerner Gelegenheit der ersten Hälfte. Mio Zimmermann nahm einen Ball aus dem Rückraum direkt, setzte seinen Abschluss aber am Tor vorbei. So blieb es nach intensiven, aber chancenarmen 45 Minuten beim 0:0.
Letica verhindert den Rückstand
Nach dem Seitenwechsel geriet Luzern rasch unter Druck. Zunächst blockte Pius Dorn einen Abschluss von Théo Berdayes. Wenig später brachte Oscar Kabwit Berdayes im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Alessandro Dudic entschied auf Elfmeter. Winsley Boteli übernahm in der 56. Minute die Verantwortung, doch Letica war zur Stelle und parierte den nicht sonderlich präzise getretenen Penalty. Der Luzerner Torhüter bewahrte seine Mannschaft damit vor dem Rückstand. Es war die wichtigste Szene des FCL bis zu diesem Zeitpunkt. Offensiv blieb die Mannschaft von Trainer Jörg «Udo» Portmann weiterhin überschaubar gefährlich. Immer wieder musste deshalb ein Versuch aus der Distanz herhalten. Ausgerechnet auf diesem Weg fiel in der 65. Minute dennoch die Führung. Matteo Di Giusto hielt drauf, Hajrizi ging mit dem Kopf zum Ball und lenkte diesen unhaltbar an Racioppi vorbei. Ein Eigentor brachte Luzern das 1:0. Ein Treffer, der dem FCL eigentlich Sicherheit hätte geben sollen. Stattdessen wurde Sion nach mehreren Wechseln gefährlicher. Besonders deutlich wurde das in der 74. Minute: Rilind Nivokazi legte quer auf Franck Surdez, der aus hervorragender Position nur noch hätte einschieben müssen, den Ball jedoch komplett verfehlte. Luzern war gewarnt.
Führung hält nur eine Viertelstunde
Die Warnung blieb ohne Wirkung. In der 79. Minute setzte sich der eingewechselte Josias Lukembila auf der Seite durch und spielte den Ball sauber in die Mitte. Dort stand mit Nivokazi ein weiterer Sittener Joker bereit und schob zum 1:1 ein. Sions Wechsel machten sich damit unmittelbar bezahlt. Für Luzern war es besonders ärgerlich, weil zwischen dem Führungstreffer und dem Ausgleich gerade einmal rund eine Viertelstunde lag. Der FCL hatte nach dem glücklichen 1:0 die Gelegenheit, einen schwierigen Abend doch noch mit drei Punkten zu beenden, konnte den Vorsprung aber nicht verteidigen. Stattdessen hatte Sion bereits vor dem Ausgleich die grosse Möglichkeit vergeben, Luzerns Führung zu egalisieren.
In der Schlussphase suchten beide Mannschaften nochmals die Entscheidung. Di Giusto blieb der auffälligste Luzerner bei den Distanzversuchen und verfehlte das Tor in der 71. Minute nur knapp. Kurz vor Schluss brachte Dorn nochmals eine Flanke zur Mitte, Di Giustos Direktabnahme wurde jedoch von einem Sittener Bein geblockt. Auch ein letzter Distanzversuch in der Nachspielzeit blieb hängen. Auf der Gegenseite köpfte Surdez nach einem Eckball ins Aussennetz. Einen späten Siegtreffer gab es nicht mehr.
Ein Punkt, der die Luzerner Probleme nicht kaschiert
Das 1:1 ist für den FC Luzern angesichts des Spielverlaufs kein schlechter Ertrag, aber auch nicht die erhoffte Antwort auf die beiden vorangegangenen Liga-Niederlagen. Besonders offensiv blieb vieles Stückwerk. Obwohl Luzern engagiert auftrat, mangelte es über weite Strecken an klar herausgespielten Möglichkeiten und an der nötigen Präzision im letzten Drittel. Bezeichnend war, dass selbst die Führung nicht aus einer zwingenden offensiven Kombination heraus entstand, sondern durch einen abgefälschten Distanzversuch und das Eigentor von Hajrizi.
Auf der anderen Seite hatte Sion mit dem verschossenen Penalty und der Grosschance von Surdez die klareren Möglichkeiten, die Partie zu seinen Gunsten zu entscheiden. Dass Luzern trotzdem zwischenzeitlich führte, hätte zur Chance werden können, sich nach schwierigen Wochen etwas Luft zu verschaffen. Diese nutzte der FCL nicht. So bleibt ein Punkt, der zumindest die Serie von zwei Liga-Niederlagen beendet, die sportlichen Fragezeichen aber keineswegs beseitigt. Letica hielt Luzern mit seinem parierten Elfmeter im Spiel, Hajrizi verhalf den Innerschweizern unfreiwillig zur Führung. Für einen Sieg aus eigener Kraft entwickelte der FCL offensiv jedoch schlicht zu wenig Gefahr.
Telegramm FC Luzern – FC Sion 1:1 (0:0)
Stadion Allmend. – 9353 Zuschauer. – SR Dudic.
Tore: 65. Hajrizi (Eigentor) 1:0. 79. Nivokazi (Lukembila) 1:1.
Luzern: Letica; Dorn, Lüthi, Bung Meng Freimann, Dantas Fernandes; Zimmermann (78. Ferreira), Winkler; Kabwit (61. Owusu), Di Giusto, Ciganiks (78. Toggenburger); Mikolajewski (87. Grbic).
Sion: Racioppi; Lavanchy, Hajrizi (72. Sow), Kronig, Hefti; Kabacalman, Baltazar; Chouaref (80. Kololli), Rrudhani (72. Lukembila), Berdayes (72. Surdez); Boteli (72. Nivokazi).
Bemerkungen: Luzern ohne Bertone, Bieler, Bongeli (alle verletzt) und Knezevic (nicht im Aufgebot). Sion ohne Villa (verletzt). – 56. Letica pariert Foulelfmeter von Boteli. – Verwarnungen: 29. Ciganiks, 45. Baltazar, 46. Kabwit (alle Foul).





























