Der FC Luzern liefert den Young Boys einen aufopferungsvollen Kampf, zeigt nach zwei Rückständen grosse Moral und steht am Ende trotzdem mit leeren Händen da. Vor 12’771 Zuschauern auf der Allmend gleichen die Luzerner zweimal aus und schnuppern in einer dramatischen Schlussphase sogar am Sieg. Doch ausgerechnet in der Nachspielzeit trifft Samuel Essende zum 2:3. Besonders bitter: Kurz darauf jubelt der FCL bereits über den vermeintlichen erneuten Ausgleich durch Levin Winkler, ehe eine Abseitsposition bestätigt wird.
Schon die Anfangsphase verlangt den Luzernern einiges ab. Nach wenigen Minuten muss Mio Zimmermann mit Knieproblemen ausgewechselt werden, Tyron Owusu übernimmt für ihn. Der FCL lässt sich davon zunächst nicht aus dem Konzept bringen. Zwar verfügt YB über viel Ballbesitz, Luzern versucht aber mutig, hoch zu pressen und selbst Akzente zu setzen. Nach zwölf Minuten zieht Oscar Kabwit über rechts bis zur Grundlinie und bringt den Ball zur Mitte. Daniel Mikolajewski kommt aus rund acht Metern zum Abschluss, scheitert jedoch am Berner Torhüter. Wenig später löst sich Matteo Di Giusto am ersten Pfosten von seinem Gegenspieler, seine Direktabnahme fliegt jedoch über das Tor. In der 18. Minute wird es erneut gefährlich. Di Giusto legt von links auf Ruben Fernandes zurück, der sofort abzieht. Sein Schuss ist gut platziert, doch der YB-Schlussmann reagiert stark und verhindert die Luzerner Führung. Zu diesem Zeitpunkt wäre ein 1:0 für den FCL keineswegs unverdient gewesen. Stattdessen schlägt wenig später YB zu und Luzern hilft beim Gegentreffer kräftig mit.
Stattdessen schlägt wenig später YB zu und Luzern hilft beim Gegentreffer kräftig mit. Letica lässt sich bei einem Abstoss zu viel Zeit und schenkt den Gästen dadurch einen Eckball. Genau dieser führt in der 22. Minute zum 0:1. Nach einem geblockten Kopfball von Samuel Essende steht Christian Fassnacht am richtigen Ort und bringt den Ball aus kurzer Distanz im Luzerner Tor unter. Es ist ein besonders ärgerlicher Rückstand, weil sich der FCL zuvor durchaus Möglichkeiten zur Führung erarbeitet hatte. Die Luzerner lassen sich davon jedoch nicht beeindrucken. Die Defensive hält Essende weiterhin gut in Schach, während Kabwit und Mikolajewski wiederholt im Berner Strafraum auftauchen. Insgesamt bleibt die Partie ausgeglichen, auch wenn sich beide Mannschaften immer wieder in Zweikämpfen und Ungenauigkeiten im Mittelfeld aufreiben. YB versucht kontrolliert aufzubauen, Luzern hält entschlossen dagegen.
Nach 36 Minuten bietet sich dem FCL schliesslich die grosse Gelegenheit zum Ausgleich. Mikolajewski bleibt nach einem Zweikampf mit Moritz Jenz im Strafraum liegen. Zunächst läuft die Partie weiter, ehe die Szene überprüft wird und der Entscheid auf Penalty fällt. Di Giusto übernimmt die Verantwortung und lässt sich die Chance nicht nehmen. Sein präziser Schuss schlägt unten links ein, der Berner Torhüter ahnt zwar die Ecke, ist gegen den Abschluss aber machtlos. Das verdiente 1:1 gibt den Luzernern zusätzlichen Schub. Kurz darauf muss Letica allerdings nochmals aufpassen. Einen tückisch aufspringenden Flachschuss von Guirassy kann der Luzerner Torhüter nicht festhalten, doch noch bevor ein Berner davon profitieren kann, wird die Situation bereinigt. Auf der anderen Seite bleibt Luzern gefährlich. Ein Freistoss von Ciganiks findet Mikolajewski, der allerdings knapp im Abseits steht und seinen Kopfball ohnehin über das Tor setzt. Mit dem 1:1 geht es schliesslich in die Pause. Gemessen an den Möglichkeiten darf sich der FCL sogar fragen, ob zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen wäre.
FCL hält dagegen, YB schlägt glücklich zu
Nach der Pause verliert die Partie zunächst deutlich an Tempo. Beide Mannschaften tun sich schwer, gefährliche Aktionen zu kreieren. Di Giusto setzt einen Freistoss deutlich über das Tor, später versucht es Pius Dorn aus der Distanz. Sein abgefälschter Schuss führt immerhin zu einem Eckball, den Ciganiks direkt ans Aussennetz setzt. In dieser Phase macht die Luzerner Defensive weiterhin vieles richtig. Vor allem der gefährliche Essende wird eng bewacht, zahlreiche Zuspiele auf den Berner Angreifer können abgefangen werden. Gleichzeitig findet der FCL auch offensiv wieder besser ins Spiel. Nach einer Stunde weist Luzern bei den Schüssen aufs Tor ein Verhältnis von 5:3 auf. Kurz darauf sorgt eine Hereingabe von Kabwit für Unruhe im YB-Strafraum, doch die Gäste können letztlich klären.
Umso bitterer ist, was in der 64. Minute folgt. YB hat wieder etwas mehr Ballbesitz und nutzt seine Gelegenheit sofort. Guirassy behauptet sich und kommt zum Abschluss. Sein Schuss wird von Dantas Fernandes entscheidend abgelenkt und fliegt über den bereits am Boden liegenden Letica hinweg zum 1:2 ins Netz. Erneut liegt der FCL zurück, erneut wirkt der Gegentreffer angesichts des bisherigen Spielverlaufs besonders hart. Nun ist Moral gefragt. Luzern hat bereits viel investiert, muss aber wieder einem Rückstand nachrennen. Zunächst gelingt es den Innerschweizern nicht wie gewünscht, aus ihren längeren Ballbesitzphasen Gefahr zu entwickeln. Gleichzeitig bleibt YB gefährlich. Essende kommt in der 70. Minute aus spitzem Winkel zum Abschluss, setzt den Ball jedoch über das Tor. Eine Pyro-Rauchentwicklung aus dem Gästesektor sorgt anschliessend für einen kurzen Spielunterbruch. Nach der Fortsetzung erhält Luzern einen Freistoss in hervorragender Position, nachdem Owusu von Gigovic gefoult worden ist. Mikolajewski setzt den Ball jedoch in die Mauer, auch der Nachschuss findet nicht den Weg ins Tor.
Winkler entfacht die Hoffnung
Mario Portmann reagiert und bringt in der 79. Minute Lars Villiger und Aurelio Oehlers für Mikolajewski und Ciganiks. Der eingewechselte Villiger sorgt gleich für einen Freistoss und eine gelbe Karte gegen Jenz. Der FCL erhöht nun den Druck. Viel Ballbesitz und mehrere Standardsituationen bringen die Luzerner dem Ausgleich immer näher. Dann scheint die Partie in der 82. Minute beinahe entschieden. Nach einer missglückten Luzerner Freistossvariante kontert YB mit drei Spielern. Sanches treibt den Ball nach vorne und bedient Essende. Der Berner Angreifer hat die grosse Gelegenheit zum 1:3, doch Letica reagiert stark und hält den FCL im Spiel.
Wie wichtig diese Parade ist, zeigt sich praktisch im Gegenzug. Luzern lanciert seinen Angriff über die linke Seite. Kabwit spielt den Ball quer zu Levin Winkler, dessen Abschluss noch von Bukinac abgelenkt wird und zum 2:2 im Tor landet. Der FCL ist wieder da. Spätestens jetzt kippt die Stimmung endgültig. Luzern hat zweimal einen Rückstand aufgeholt und glaubt plötzlich selbst wieder an den Sieg. Die Partie wird offener und hektischer. YB lauert seinerseits auf Kontermöglichkeiten. Für den FCL ist es eine Schlussphase zwischen grosser Hoffnung und ständigem Risiko. In der 82. Minute hatte Letica den möglichen K.-o. verhindert, nun wollen die Luzerner mehr. Gleichzeitig müssen sie defensiv wachsam bleiben. Nach einem Luzerner Freistoss macht YB das Spiel schnell, doch der FCL eilt zurück und bereinigt die Situation. Wenig später zieht Luzern bereits die nächste Ballbesitzphase auf.
Sieben Minuten, die brutal wehtun
Dann beginnt eine Nachspielzeit, die aus Luzerner Sicht kaum dramatischer verlaufen könnte. Sieben Minuten werden angezeigt. Loïc Lüthi und Aurelio Oehlers sehen in der hektischen Schlussphase noch Gelb. Portmann bringt zudem Bung Hua Freimann für Kabwit, während YB mit Kaly Sène und Samuel Essende offensiv nachlegt. Und genau diese Wechsel werden für Luzern zum Verhängnis. Sène behauptet auf der rechten Seite den Ball und flankt zum zweiten Pfosten. Dort legt Virginius per Kopf zurück auf Essende. Der Berner Angreifer bekommt den nötigen Raum und erzielt das 2:3. Zum dritten Mal an diesem Abend liegt der FCL zurück. Diesmal kommt der Gegentreffer zu einem Zeitpunkt, an dem kaum noch Zeit für eine weitere Antwort bleibt.
Aber Luzern gibt selbst jetzt nicht auf. Noch einmal bekommt der FCL einen Freistoss. Winkler trifft tatsächlich und jubelt bereits über seinen zweiten persönlichen Treffer sowie den vermeintlichen 3:3-Ausgleich. Doch die Szene wird überprüft. Eine Abseitsposition wird festgestellt, der Treffer zählt nicht. Kurz darauf ist Schluss.
Für den FC Luzern bleibt eine Niederlage zurück, die besonders schmerzt. Nicht weil die Mannschaft gegen die Young Boys chancenlos gewesen wäre, sondern gerade weil sie es nicht war. Luzern erarbeitet sich in der ersten Hälfte mehrere gute Möglichkeiten, reagiert auf das 0:1 mit dem Ausgleich und lässt sich auch vom erneuten Rückstand nach der Pause nicht brechen. Selbst die grosse YB-Chance zum möglichen 1:3 übersteht der FCL dank Letica, ehe Winkler die Allmend mit dem 2:2 nochmals hoffen lässt Doch für diese Moral gibt es am Ende keinen Punkt.
Dass Luzern nach dem 2:2 nochmals auf den Sieg hofft, passt zu einem mutigen Auftritt. Dass YB in der Nachspielzeit trotzdem nochmals den entscheidenden Raum erhält, macht die Niederlage umso bitterer. Der FCL investiert viel, kämpft sich zweimal zurück und beweist, dass er gegen die Berner durchaus bestehen kann. Ausgerechnet in den letzten Minuten geht der mögliche Lohn jedoch verloren. Das 2:3 fühlt sich deshalb besonders hart an. Luzern zeigt Moral, Leidenschaft und Widerstandskraft, macht aber aus einem starken Auftritt letztlich keinen Ertrag. Und als Winklers vermeintliches 3:3 wegen Abseits aberkannt wird, ist endgültig klar: An diesem Abend fehlt dem FCL nicht viel zu einem Punktgewinn, am Ende aber genau das Entscheidende.
Telegramm FC Luzern – BSC Young Boys 2:3 (1:1)
Stadion Allmend. – 12’771 Zuschauer. – SR Cibelli.
Tore: 22. Fassnacht 0:1. 38. Di Giusto (Foulpenalty) 1:1. 64. Guirassy 1:2. 82. Winkler (Kabwit) 2:2. 92. Essende 2:3.
Luzern: Letica; Dorn, Lüthi, Bung Meng Freimann, Dantas Fernandes; Zimmermann (7. Owusu), Winkler; Kabwit (91. Bung Hua Freimann), Di Giusto, Ciganiks (79. Oehlers); Mikolajewski (79. Villiger).
Young Boys: Keller; Blum, Jenz, Zesiger, Schmidt (77. Bukinac); Gigovic (91. Pech), Lauper; Fassnacht (96. Wüthrich), Sanches (91. Sène), Guirassy (77. Virginius); Essende.
Bemerkungen: Luzern ohne Bertone, Bieler, Bongeli, Wyss (alle verletzt), Knezevic, Meyer und Sadikaj (alle bei der U21). Young Boys ohne Andrews, Benito, Kabeya (alle verletzt), Fernandes (gesperrt). – Verwarnungen: 56. Schmidt. 79. Jenz. 85. Dorn. 89. Lüthi. 90. Oehlers (alle Foul).
































